Es tut sich was in Deutschland, jenseits von Reformstau und Ratlosigkeit. Während die Gesellschaft wie gelähmt wirkt und keiner den Schneid hat, das Gesundheits-, das Renten- oder das Steuersystem tiefgreifend zu reformieren, erneuert eine mutige Schar von Politikern, Rektoren und Professoren unsere Hochschulen von Grund auf – und dies nicht erst seit gestern.

Die Reform, die bereits Ende der achtziger Jahre begann, dann wegen der Wiedervereinigung etwa fünf Jahre auf Eis lag, hat seit Mitte der neunziger Jahre alle Ebenen erfasst: Beim Bund, in den Ländern und in den Hochschulen tut sich so viel, dass Anlass zu Optimismus besteht. Der Zug fährt in die richtige Richtung, und auch wenn er noch keineswegs am Ziel ist: Die Geschwindigkeit nimmt zu.

Mindestens auf fünf Feldern hat es bereits so gravierende Veränderungen gegeben, dass der Reformprozess nicht mehr umkehrbar ist:

1. Der Staat mischt sich weniger ein

In der Vergangenheit hat der Staat zu viel in die Hochschulen hineinregiert. Ob bei Bauvorhaben, beim Personal oder bei den Finanzen: Die Hochschulen wurden bis zur Bewegungslosigkeit bürokratisch eingeschnürt. Der erste Schritt zur Verbesserung war hier die Lockerung des restriktiven Haushaltsrechts. Zwar war das entscheidende Motiv die Mittelknappheit, sodass die Politiker die Mangelverwaltung von den Ministerien und dem Parlament auf die Hochschulen abwälzen wollten. Die finanziellen Freiheiten erwiesen sich aber als Glück im Unglück: Innovationen werden flexibler finanzierbar, Hochschulen können mehrjährig wirtschaften, weil eingespartes Geld nicht mehr zum Jahresende verfällt. Rheinland-Pfalz hat Grundstücke und Gebäude an die Hochschulen übertragen, in Niedersachsen sind seit Januar dieses Jahres fünf Hochschulen nicht mehr behördenähnliche Körperschaften öffentlichen Rechts, sondern Stiftungen, was zusätzlichen Schutz vor dem Zugriff des Finanzminister bietet.

Ein völlig neues Verhältnis zwischen Staat und Hochschule entsteht, wenn in Verträgen gemeinsam ausgehandelt wird, welche Ziele und Aufgaben verfolgt und wie diese finanziert werden sollen. In Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg sind solche Kontrakte geschlossen worden. Sicher müssen beide Seiten noch etliches hinsichtlich gegenseitiger Achtung, Verlässlichkeit und Vertrauen lernen. Aber allein Hochschulpolitik als Lernprozess zu begreifen ist in Deutschland bereits ein begrüßenswertes Novum.

Ein für unsere Republik geradezu revolutionärer Schritt mit Pioniercharakter für alle Beamten ist die Reform der Professorenbesoldung. Von Bundesseite bereits gesetzlich fixiert, nunmehr in der Umsetzung in den Bundesländern, werden spätestens von 2005 an neue Professoren nicht mehr alle zwei Jahre automatisch fürs Älterwerden belohnt, sondern stattdessen Zulagen nach Leistung erhalten. Auch wenn durch die Deckelung des zur Verfügung stehenden Geldbetrages in der Umsetzung erhebliche Schwierigkeiten bestehen und wegen des Bestandsschutzes für die im Amt befindlichen Professoren bei der Umsetzung mit einer Übergangszeit von 20 Jahren zu rechnen ist, so ist doch ein vielversprechender Anfang gemacht.

2. Wettbewerb und Leistungstransparenz