Interview Die Angst reist nicht mit

Geoff Hahn, 65, organisiert Pauschalreisen in den Irak. In diesem Jahr plant der Brite insgesamt sieben Touren

Sie bieten Gruppenreisen von London nach Bagdad an. Ist das zurzeit nicht ein bisschen gefährlich?

Wir haben Irak-Reisen seit den späten sechziger Jahren bis zum Golfkrieg veranstaltet und 1999 wieder aufgenommen. Letztes Jahr haben wir fünf Touren gemacht, für dieses Jahr sind sieben geplant, die erste im März. Wenn es zum Krieg kommt, werden wir die Reisen streichen und das Geld erstatten.

Gibt es denn Buchungen?

Wir haben neun für März und ein paar für die anderen Termine. Die kommen aus der ganzen Welt, ein Deutscher wird dabei sein.

Was sind das für Leute? Abenteurer oder gelangweilte Touristen?

Eine Mischung aus beidem. Aber hauptsächlich sind es etwas ältere Leute, die sich für Geschichte, Archäologie und Kultur interessieren. Das fehlt uns Briten – viele Jahre konnten wir nicht zu den antiken Stätten wie Babylon reisen. Das wollen meine Kunden sehen. Sie sind auch neugierig, was das für ein Land ist und wie die Menschen sind.

Haben Sie in der angespannten Situation keine Angst vor Geiselnahme?

Als Organisator mache ich mir darüber natürlich Gedanken. Für die Kunden ist das kein Thema. Und ich muss zugeben, wann immer wir im Irak waren, war diese Angst sehr weit entfernt von uns und den Leuten, mit denen wir zusammenarbeiten.

Wenn die Reisegruppe im Irak ist und der Krieg beginnt, muss sie gerettet und ausgeflogen werden – damit würden Sie auch andere in Gefahr bringen.

Ich denke, wir werden spätestens acht bis zehn Tage vor der Abreise wissen, ob es sicher ist. Wenn die Lage immer noch unklar ist, werden wir wahrscheinlich absagen. Die Dinge ändern sich täglich. Wir fliegen von London nach Damaskus, dann haben wir immer noch ein paar Tage, bis wir die Grenze passieren. Im Irak selbst sind wir nur 14 Tage. Ich denke, das klappt.

Wer leitet die Gruppe?

Ich werde mitfliegen, wir haben einen irakischen Führer und einen Sicherheitsbeauftragten vom Ministerium.

Waren Sie im vergangenen Jahr auch im Irak?

Bei allen fünf Touren, zuletzt Anfang November. Und ich entdecke immer wieder etwas Neues.

Was ist das für ein Gefühl, durch ein Land zu reisen, dessen Bevölkerung jeden Tag mit dem Krieg rechnen muss?

Die Menschen sind sehr schicksalsergeben. Wenn sie hören, woher wir kommen, sind sie sehr erstaunt. Aber sie heißen uns willkommen.

Wie viel kostet der Trip?

1340 Pfund zuzüglich Flug und Visa-Gebühren. Aufgrund der günstigen Wechselkurse können wir in den besten Hotels wohnen. Trotz Sanktionen sind die in einem akzeptablen Zustand. Wir können das gar nicht alles essen, was uns da aufgetischt wird.

Steht das nicht in Kontrast zur Versorgungslage in der Bevölkerung?

In den Restaurants essen viele aus dem irakischen Mittelstand. Salat, Hühnchen, Kebap, Reis: Grundnahrungsmittel sind genug vorhanden, außer für die ganz Armen.

Bieten Sie ausschließlich Irak-Reisen an?

Nein, auch Touren nach Afghanistan. Auch schon seit den sechziger Jahren. Ich bin zuletzt im Dezember dort gewesen. Da hatte ich das Gefühl, dass es sicher ist. Aber wenn da jetzt wieder Kämpfe ausbrechen, können wir es nicht anbieten. Die Bevölkerung ist sehr freundlich, und sie profitiert von unseren Besuchen. Wir lassen ja Geld im Land, beispielsweise für Nahrungsmittel. Und sie braucht Menschen, die dort hinreisen, als Weg in die Normalität.

 
  • Quelle (c) DIE ZEIT 09/2003
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