die zeit: Herr Minister, die Debatte im Bundestag, die Sicherheitsratsdebatte am Freitag, die Demonstrationen am Wochenende, die Nato-Einigung und der Kompromiss beim EU-Gipfel in Brüssel – fünf Stationen der vergangenen Woche, die Ihnen in der Irak-Debatte etwas Luft verschafft haben. In welcher Phase der Vorkriegszeit befinden wir uns?

Joschka Fischer: Ich hoffe, überhaupt nicht in einer Phase der Vorkriegszeit. Wir sollen alles versuchen, um eine friedliche Lösung zu erreichen, das heißt die volle Umsetzung der Sicherheitsratsresolutionen 1441 und 1284, ohne dass es zu einem Einsatz militärischer Mittel kommt.

zeit: Ist mit dem Brüsseler Minimalkompromiss das strikte Nein der Bundesregierung gefallen?

Fischer: Unsere Haltung ist unverändert. Wir werden uns an einer Militäraktion nicht beteiligen, und wir wollen alles tun, um eine friedliche Umsetzung der Resolution 1441 zu erreichen. Daran gibt es überhaupt keinen Zweifel.

Bevor an eine ultima ratio gedacht wird, müssen alle anderen Mittel erschöpft sein. Das sagt übrigens auch die UN-Charta. Die Frage der Verhältnismäßigkeit, des Erschöpfens aller anderen Mittel ist also von zentraler Bedeutung.

Der Irak muss abrüsten, er darf keine Massenvernichtungswaffen haben, er muss mit den Inspektoren voll kooperieren. Aber wenn ich hier den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit einführe, weiß ich beim besten Willen nicht, warum wir dann über die Frage eines möglichen Krieges diskutieren und nicht über den verbesserten Einsatz der Inspektoren.

zeit: Ist dies nur die deutsche Interpretation oder die europäische?