Lügengebäude Der Krieg der KöpfeSeite 3/3

Die Schule beteuert, wie wichtig ihr die Absage an die Militanz von gestern sei, an den herkömmlichen Konkurrenzkampf mit diplomatischen Ränken, Bestechung oder Industriespionage. »Solche massiven Attacken«, sagt Harbulot, »fliegen zu schnell auf und können äußerst kontraproduktiv sein.« Lieber konzentrieren sich die modernen Wirtschaftskrieger auf indirekte Aktionen, auf Kommunikation und Lobbying. Früher gab es dafür vor allem Werbung und Pressearbeit, heute ist das Internet wichtig. »Das Netz vermischt die Genres«, weiß Harbulot. »Seine leichte und unkontrollierbare Zugänglichkeit begünstigt die verdeckte, maskierte Kommunikation.«

Für Harbulot befindet sich Europa erst auf einer archaischen Stufe des Internet. Dabei ist die Nutzung offener Internet-Quellen viel einfacher und billiger als Wirtschaftsspionage. Ein Gerücht, von den Medien oder übers Netz verbreitet, kann einem Unternehmen mehr schaden als die klassische Werkspionage. So geschieht es häufig durch die subversiven Aktionen der Globalisierungsgegner. Doch obwohl Christian Harbulot die USA als »mächtigstes Informationsimperium aller Zeiten« kritisiert, kann er den Strategien der Antiglobalisierer wenig abgewinnen. Eine Bewegung, die keine Ländergrenzen kenne und nur spontane Protestaktionen, könne kein starker Akteur sein. Den aber brauche man, wenn es beispielsweise um den transatlantischen Kampf an der Ernährungsfront geht – ein französisches Lieblingsthema.

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Für das Examen 2001 stellte Harbulot seinen Studenten die Aufgabe, die Dominanz der amerikanischen Fast-Food-Industrie mit einer Informationsattacke zu brechen – allein mit Fakten aus frei zugänglichen Quellen, mit einem Kesseltreiben aus Anfragen und Stellungnahmen und einem kräftigen Schuss Polemik in der Argumentation.

Auf den präsentierten Websites der Studenten gab es dann für jedermann verfügbare Daten und Links, die die Schwachpunkte der Kontrahenten nachweisen sollten: Statistiken der Weltgesundheitsorganisation über die Lebenserwartung des Durchschnittsamerikaners, Marktberichte von Fleischerzeugern über die Billigqualität ihrer Lieferungen und Erfolgsbilanzen von Pharmaproduzenten, die Vitamin- und Zusatzprodukte zum Ausgleich von Ernährungsmängeln liefern.

Die Website wurde nie ins Netz gestellt.

 
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