irak Wenig Geld für Kriegsgewinnler

Deutsche Unternehmen hoffen auf gute Geschäfte mit einem von Saddam Hussein befreiten Irak. Sie freuen sich zu früh

November 2002: Mehr als 1600 Unternehmen aus aller Welt sind nach Bagdad gekommen, um auf der Industriemesse ihre Produkte anzupreisen. Mit rund 100 Ausstellern stellt Deutschland das stärkste Kontingent. Doch wer daraus auf einen florierenden deutsch-irakischen Handel schließt, liegt falsch.

Nach dem Golfkrieg von 1991 waren die deutschen Exporte in den Irak fast zum Erliegen gekommen. Erst seit Mitte der Neunziger steigen sie wieder leicht an. 1999 gingen Lieferungen für 73 Millionen Euro in das Land an Euphrat und Tigris, 2001 waren es 387 Millionen. Für 2002 dürfte das Volumen nur geringfügig darüber liegen und damit lediglich rund 0,05 Prozent der deutschen Exporte ausmachen.

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Hauptgrund für den geringen Warenverkehr ist das Handelsembargo der Vereinten Nationen und die dadurch bedingte permanente Wirtschaftskrise des Irak: Mit knapp sieben Milliarden Dollar Importvolumen spielt das Land heute im internationalen Handel eine marginale Rolle. Zudem halten sich deutsche Unternehmen bei ihren Lieferungen an den Irak offenbar strikt an Embargovorschriften und die strengen deutschen Ausfuhrbestimmungen. Jeden Liefervertrag muss die Überwachungsbehörde der Vereinten Nationen in einem zeitaufwändigen Verfahren überprüfen. Waren, die zur Waffenherstellung eingesetzt werden könnten, stehen auf der Verbotsliste.

Das geringe Handelsvolumen mit dem Irak spiegelt aber auch das niedrige Niveau des deutschen Handels mit den arabischen Staaten insgesamt wider. Deutschland exportierte im Jahr 2001 Waren für 14,2 Milliarden Euro in die arabischen Länder, das sind gerade mal zwei Prozent der deutschen Ausfuhren. Ein Drittel der Lieferungen ging in die drei wichtigsten Abnehmerländer Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Ägypten. Die deutschen Importe aus arabischen Ländern sind ebenfalls dramatisch geschrumpft, seit das Rohöl größtenteils aus der Russischen Föderation, Norwegen und Großbritannien bezogen wird. Mit 6,6 Milliarden Euro machen sie nur noch 1,8 Prozent der deutschen Gesamteinfuhr aus.

Angesichts dieses schwachen Handels verwundert es, dass die deutsche Industrie derart große Hoffnungen an mögliche Geschäfte mit einem Irak nach Saddam Hussein knüpft. „Das Potenzial für deutsche Unternehmen in Irak ist groß!“ oder „Deutsche Produkte haben in Irak ein hervorragendes Image!“ – so verkünden es regelmäßig das Bundesministerium für Wirtschaft, der Bundesverband der Deutschen Industrie oder die Arabisch-Deutsche Vereinigung für Handel und Industrie.

Auf der Industriemesse in Bagdad vergangenen November allerdings sind keine Abschlüsse für Linde, Siemens und andere deutsche Aussteller bekannt geworden. „Gehandelt wird die Zukunft: Die Wirtschaft sitzt in den Startlöchern, weil sie Chancen nach dem Krieg wittert“ – wurde die Förderung der Aussteller mit Bundesmitteln gerechtfertigt.

Tatsächlich positionieren sich jetzt Industrieländer aus West und Ost für das Rennen um die großen Deals beim Wiederaufbau des Irak und um die Erschließung der Ölreserven. Wird das Wirtschaftsembargo der Vereinten Nationen aufgehoben, bietet sich hier in den folgenden zehn Jahren nach vorsichtigen Schätzungen ein Geschäftspotenzial von mindestens 100 Milliarden Dollar.

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