Politisches Buch Der unaufhaltsame Krieg
Alle wissen: Dieser Krieg kommt. Zwei Bücher erscheinen in dieser Woche, die, obschon in verzweifelt unfatalistischem Ton geschrieben, das scheinbar Unaufhaltsame erklären. Politische Echtzeit-Studien, wenn man so will. Das ist zum einen der Reader herausgegeben vom Friedensforscher Bernd W. Kubbig, zum anderen das Bändchen von Hans von Sponeck und Andreas Zumach.
Kubbig unternimmt den ehrgeizigen Versuch, all die kraftvoll diskutierten Aspekte des sicherheitspolitischen Paradigmenwechsels in einem Werk zu versammeln. Allein, einige der kenntnisreichen Beiträge von Rüstungs-, Rechts- und Strategieexperten tragen ein nahes Verfallsdatum. Man wird das Buch wohl nicht so schnell lesen können, wie es von den Entscheidungen im Weißen Haus und im Sicherheitsrat überrollt wird. Doch es bleibt lehrreich. Wie gefährlich ist der Irak? Was können Inspektionen leisten? Wie legitim ist es, die „Schlacht zum Feind zu tragen“? Wohin entwickelt sich das Völkerrecht? Wohin Europa?
Der Herausgeber lässt von Anfang keinen Zweifel daran, dass ein Krieg gegen den Irak unverhältnismäßig wäre. Es pflichten ihm unter anderen bei: die Rüstungsexpertin Iris Hunger und der Völkerrechtler Michael Bothe. Bothe warnt davor, dass die Anerkennung von vorbeugender Selbstverteidigung im Völkerrecht „die Zerstörung einer der bedeutendsten kulturellen und politischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts nach sich ziehen“ könne. Vorsichtig leidenschaftliche Bekenntnisse dieser Art bleiben selten in Kubbigs Reader. Im Großen und Ganzen liest er sich wie ein sprödes Wissenschaftler-Manifest gegen den Krieg, jedoch nicht ohne Spannung.
Ein ausgeprochener Freund des klaren Wortes ist hingegen der taz-Korrespondent bei den UN, Andreas Zumach. Schon im Vorwort seines Buches erfahren wir, dass die Weltöffentlichkeit „selten so intensiv manipuliert“ wurde wie im Vorfeld dieses Krieges. Wer so redet, muss sich im Besitz der letzten Wahrheit glauben. Da ist man gespannt, was kommt. Es kommt, über 84 Seiten hinweg, ein Interview mit dem ehemaligen Leiter des UN-Hilfsprogramms in Bagdad, Hans von Sponeck. Nein, eigentlich kein Interview, vielmehr lässt sich Sponeck von Zumach mit gefälligen Fragen in eigener Sache vernehmen.
Angeklagt: die üblichen Verdächtigen. Washington und ein bisschen auch die Vereinten Nationen. „Natürlich“, darf Sponeck auf Zumachs erste Frage antworten, gehe es bei dem Krieg ums Öl. Es folgt im Wesentlichen eine harsche Abrechnung mit der Sanktionspolitik gegenüber dem Irak. Aus Protest gegen den „Strafcharakter der Sanktionen“ trat Sponeck im Februar 2003 von seinem UN-Amt zurück. Faktenreich belegt der Diplomat sein Urteil gegenüber der Sanktionspolitik: Sie sei nicht weniger als ein Akt des Völkermords an den Irakern. So habe es während Sponecks Amtszeit „im ganzen Land nur eine voll funktionsfähige Röntgenanlage gegeben“, die Lieferung dringend benötiger Medikamente sei von den UN ohne Begründung blockiert worden.
Unterdessen, fügt Zumach hinzu, hätten die USA unter Hinweis auf die Gefährlichkeit des irakischen Regimes für über 100 Millionen Dollar Waffen an die Nachbarstaaten verkaufen können. „Doch jetzt“, so Zumachs düsterer Schluss, „hat Saddam Hitler seine Schuldigkeit getan.“ Darum putze man ihn nun weg. Ganz einfach. Etwas zu einfach vielleicht.
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- Quelle (c) DIE ZEIT 10/2003
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