computer Ewig lockt die TantiemeSeite 3/3
Eine Lösung für das Problem hat Barlow allerdings auch nicht anzubieten. Am ehesten vorstellen kann er sich noch ein System von Abgaben, die etwa bei den Internet-Providern anhand der Download-Zahlen erhoben werden und dann an die Rechteinhaber ausgeschüttet werden. Der Nutzer würde dann eine Monatspauschale für seinen Medienkonsum bezahlen, die Umlage auf die Künstler findet hinter den Kulissen statt, so wie es heute schon bei den Verwertungsgesellschaften der Fall ist.
Bei der Anhörung des Rechtsausschusses des Bundestags zum neuen Urheberrecht, die vor drei Wochen in Berlin stattfand, waren die Warner allerdings in der Minderheit. Die Mehrheit der Vertreter von Medienfirmen und Rechteverwertern sieht im Digital Rights Management das Verfahren der Zukunft. Auch die im Interessenverband Bitkom zusammengeschlossenen Gerätehersteller unterstützen DRM, weil sie darin eine Chance sehen, von den lästigen Pauschalabgaben auf Computer und CD-Brenner befreit zu werden.
Ob sich das System der nahtlosen Kontrolle über den Medienkonsum allerdings durchsetzen lässt, ist sehr fraglich. Vielleicht hat die grenzenlose Freiheit des anarchisch gewachsenen Informationsnetzes die Moral der Nutzer schon so weit untergraben, dass die neuen Abrechnungssysteme einfach nicht akzeptiert werden. Sind die Netzbürger alle Piraten, die Künstler um den verdienten Lohn für ihre Arbeit bringen wollen? Bestimmt nicht, meint der Konstanzer Informatiker Rainer Kuhlen – aber die Verbraucher hätten schon ein Gespür für „ungerechtfertigte Gewinnansprüche“ einer Branche, die bei ständig sinkenden Kosten die Preise für ihre Inhalte künstlich hochhalte: „Man kann auf Dauer keine gesetzlichen Regelungen gegen ein neues normatives Bewusstsein durchsetzen.“
- Datum 27.02.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 27.02.2003 Nr.10
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