schreiben Der Rechner als Schiefertafel

Computer taten sich bislang schwer damit, die Handschrift ihrer Nutzer zu entziffern. Die neuen Tablet-PCs schaffen das erstaunlich gut. Wird die Tastatur bald überflüssig? Ein Erfahrungsbericht von Thomas Jungbluth

Ginge es nach Bill Gates, dann sollte der „Tablet-PC“ die nächste Computerrevolution auslösen. Wie eine Schiefertafel liegen diese Geräte in der Hand, und anstelle einer Tastatur benutzt der Anwender einen Stift. Bereits vor zwei Jahren wurden die ersten Prototypen präsentiert, nun sind die Geräte im Handel. Doch erfahrungsgemäß stoßen alternative Eingabemethoden für den Computer auf Zurückhaltung: Die meisten Benutzer haben sich jahrelang daran gewöhnt, ihre Texte mit der Tastatur einzugeben und Menüs mit der Maus anzuklicken. Dagegen führt beispielsweise die Spracherkennung für den Computer ein Schattendasein und wird nur von Spezialisten intensiv genutzt.

Auch die Produzenten der neuesten Tablet-PCs geben sich nicht der Illusion hin, der Nutzer würde in Zukunft den Rechner nur noch per Stift versorgen. An diesem hohen Anspruch war schon der Urvater der stiftbasierten Computer gescheitert, der Newton von Apple. Vor zehn Jahren kam das Gerät auf den Markt und erwies sich als spektakulärer Flop. Die Schrifterkennung produzierte katastrophale Fehlleistungen, und nur wenige Nutzer wollten auf die Dauer aufs Keyboard verzichten. Der Newton verschwand in der Versenkung.

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Der nächste Schritt in der Schrifterkennung war der Palm Pilot. Wenn das Entziffern einer Handschrift schon so schwierig ist, dachten sich die Entwickler der Firma Palm, dann geben wir dem Benutzer eben vor, wie er zu schreiben hat. Das funktionierte: Millionen Handheld-Besitzer lernten Graffiti, eine Art vereinfachte Druckschrift. Das ging vielen so in Fleisch und Blut über, dass sie auch im „richtigen Leben“ manchmal den Querstrich beim A vergessen. Mit Graffiti lassen sich Adressen und Termine in den Handcomputer eingeben, für größere Textmengen ist das Konzept allerdings kaum geeignet.

Nun beginnt also der dritte große Versuch, Computer Handgeschriebenes lesen zu lassen. Und diesmal klappt es erstaunlich gut. In den Geräten stecken die neueste Version von Windows XP und ein stromsparender Prozessor. Obwohl überall die gleiche Technik dahinter steht, unterscheiden sich die zurzeit erhältlichen Geräte teilweise deutlich voneinander. Grundsätzlich gibt es zwei Typen: den „Slate“ (englisch für „Schiefertafel“) und den „Convertible“ („veränderbar“). Beim Slate-PC sitzt die gesamte Technik im Display. Dieses nimmt man mit und macht sich darauf Notizen. Zu den Slate-Geräten gehören die Tablet-PCs von Compaq, Fujitsu Siemens, Paceblade und Viewsonic. Die separate Tastatur wird entweder direkt am Display angedockt (Compaq), per USB-Kabel angestöpselt (Viewsonic) oder überträgt schnurlos ihre Signale (Fujitsu Siemens, Paceblade).

Convertibles unterscheiden sich äußerlich nicht von normalen Notebooks. Der Deckel lässt sich jedoch nicht nur klappen, sondern auch drehen, sodass er mit dem Display nach oben auf der Tastatur liegen kann. Welche der beiden Bauformen man wählt, ist Geschmacksache – Gewicht und Funktionalität unterscheiden sich kaum.

Kabel-Netzwerkschnittstelle und Modem sind bei allen Geräten Standard. Für die schnurlose Datenübertragung per Wireless LAN (siehe dazu den Artikel Kabelloses Surferglück) sind fast alle Geräte gerüstet. Nur der Toshiba Portege enthält eine Sende- und Empfangseinheit für Bluetooth. Die ist unterwegs recht nützlich, um mit einem entsprechend ausgestatteten Handy ins Internet zu kommen.

Zum Bedienen von Windows und zur Texteingabe muss der mitgelieferte Pen verwendet werden. Einfache Stifte oder der Druck des Fingernagels funktionieren nicht wie zum Beispiel bei den Handrechnern, weil der Stift per Induktion mit einer Spezialschicht unter der Bildschirmoberfläche kommuniziert. Die Spezialstifte liegen wie ein normaler Kugelschreiber in der Hand. Nur jener von Compaq ist besonders dick und wird zudem von einer Mini-Batterie gespeist. Nähert der Schreiber den Stift dem Display, dann erkennt Windows das, und der Mauspfeil bewegt sich zu der Spitze. Das Aufdrücken der Spitze interpretiert Windows als einfachen Klick. So lassen sich Schaltflächen und Menüs bedienen und Fenster über den Bildschirm schieben – bei gedrückter Stiftspitze. Für einen Doppelklick tippt man zweimal mit dem Stift auf die Displayoberfläche.

Nur nicht zu hastig kritzeln

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