nordirakIm Land der Höllenangst

Islamisten terrorisieren Gebiete der Kurden im Nordirak. Sie kommen nachts aus den Bergen und metzeln ihre Opfer nieder. Unterstützt werden sie von al-Qaida – behaupten kurdische Offiziere von Bruno Schirra

Am 4. Dezember 2002 im Nord-Irak, an der Grenze zum Iran, sieht ein Junge zu, wie sein gleichaltriger Freund, von Männern umringt, auf Knien um sein Leben bittet. "Mein Freund weinte und flehte: ,Im Namen Allahs, tötet mich nicht‘." Die Männer lachten, zapften aus einem Landrover Benzin ab, gossen es über den Freund. Dann zündeten sie ihn an. Sie sahen zu, wie er verbrannte. Schließlich schoss ihm einer eine Kugel in den Kopf.

"Hast du geweint?"
"Du hast das alles so gesehen?"
"Ja."

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Montag, in den Bergen nahe Halabdscha

Es ist kalt, die Nacht totenstill. Dyari Mohammad sitzt in seinem Unterstand aus Lehm, Steinen und Dung. Er starrt in die Dunkelheit. Sein Kopf ist mit einem schwarzen Tuch vermummt, das nur die Augen frei lässt. Sein Oberkörper steckt in einem zerschlissenen, dick wattierten Armeeparka. An seinem Gürtel baumeln zwei Handgranaten, in den Taschen stecken drei Reservemagazine. Dyari Mohammad hat Angst, Höllenangst.

Im Norden des Irak hat der Krieg längst angefangen. Kurden kämpfen gegen Islamisten, die sich in den Bergen verschanzt haben und nachts die Stellungen der kurdischen Peshmerga angreifen. Dyari ist ein kurdischer Kämpfer, ein Peshmerga-Soldat der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). "Peshmerga bedeutet: Die den Tod nicht fürchten", sagt er. Er hat es den Tag über schon oft gesagt. 18 Jahre ist der Junge jetzt. Er erzählt, dass er sein ganzes Leben lang davon geträumt hat, Peshmerga zu sein.

Draußen vor dem Unterstand hat der Nieselregen das Gelände in eine rutschige Schlammwüste verwandelt. Der junge Peshmerga hält sich an seiner Kalaschnikow fest, starrt hinaus und schweigt.

"Siehst du etwas?", frage ich ihn.

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