nordirak Im Land der HöllenangstSeite 9/17
Al Shamary registriert die Skepsis, er bietet Details an. Er nennt den genauen Namen und Ort seines Dienstes in Bagdad, nennt die Namen seiner Vorgesetzten und zählt detailliert die Stationen seiner Karriere als Mitglied des Geheimdienstes von Saddams Schwiegersohn Hussein Kamel auf. Dieser war bis zu seiner Flucht nach Jordanien 1995 der wichtigste Mann im chemischen und biologischen Waffenprogramm des Irak. Erst seine Flucht und seine Hinweise ermöglichten es den UN-Inspektoren, Teile von Saddam Husseins Massenvernichtungsprogramm zu finden.
Al Shamary will im Auftrag Bagdads den Waffenschmuggel zu Ansar-e Islam mitgeplant haben. Zwischen September 2001 und dem 6. Juni 2002, als er von der PUK verhaftet wurde, habe er drei Tonnen Material – Mörsergranaten, Gewehre, TNT, Minen und Munition – aus Bagdad organisiert. Auf kleinen Pick-up-Trucks verladen, seien die Waffen ins Ansar-Gebiet geschafft worden. Bei jeder Warenlieferung seien auch chemische und biologische Substanzen gewesen, die in einfachen Labors in den Bergen aufbereitet worden seien. Rizin, Anthrax, Aflatoxin.
„Wo sind diese Laboratorien?“
Al Shamary antwortet, ohne zu zögern. „In Sargat.“
„Das ist der Ort, von dem Colin Powell behauptet hat, dort befände sich eine chemische Kampfstofffabrik. Wir waren dort, viele Journalisten, Kamerateams, auch ich, und wir haben nichts gefunden.“ Al Shamary zuckt mit den Schultern. „Sie glauben tatsächlich, dass Sie alles gesehen haben? Ansar-e Islam lässt Sie dort doch nur rein, wenn sie vorher alles vorbereitet haben! Für wie dumm halten Sie die Afghanis?“
Tatsächlich war beim Pressetermin auf Ansar-e-Islam-Territorium alles streng kontrolliert. Als einige Journalisten sich abseits des Geländes, das die Ansar-Kämpfer zur Besichtigung freigegeben hatten, umschauen wollten, kippte die Stimmung. Die bärtigen Gastgeber entsicherten ihre Kalaschnikows und trieben die Journalisten zurück. Ein Bereich in Sargat, der mit Stacheldraht gesichert war, blieb tabu. An den Drahtverhauen prangten sichtbar die internationalen Gift-Warnschilder.
„Die chemischen Waffen, die Laboratorien, die Orte, an denen mit Kampfstoffen an Hunden und anderen Tieren experimentiert wird, werden alle von den arabischen Afghanistan-Mudschaheddin kontrolliert“, sagt Al Shamary. „Sie haben dort oben chemische Kampfstoffe, und sie haben sie in den vergangenen Monaten an andere Gruppen weitergegeben.“
- Datum 06.03.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 06.03.2003 Nr.11
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