Rede und arbeite!Seite 2/2
Doch noch bevor es losging, war er mit den Nerven erst mal am Ende. Erst vier Tage vor dem Abflug bekam er sein Visum, obwohl er die Anträge bereits vor vier Monaten ausgefüllt hatte. In Kapstadt erfuhr er dann, dass es ihm nicht allein so ergangen war. Auch andere Deutsche beklagten sich über die langen Bearbeitungszeiten der Botschaft.
Hätte Jan Szyszka sein Praktikum in den USA machen wollen, wäre es ihm wohl noch schlechter ergangen. Denn nach dem 11. September haben die Vereinigten Staaten die Einreisebedingungen auch für normale Sprachschüler extrem verschärft. Wer mehr als 20 Stunden Unterricht pro Woche bucht, braucht ein Studentenvisum. Dazu muss er erst einmal einen Termin bei der Botschaft in Berlin oder beim Konsulat in Frankfurt vereinbaren und dort persönlich vorsprechen.
Zum Sprechen verdammt
Mindestens vier Monate sollte man daher für die Prozedur einplanen. "Wenn sich das nicht ändert, wird das ein Knock-out-Kriterium für Sprachreisen in die USA", befürchtet Carpe-Diem-Manager Pankok. Andere Veranstalter raten bereits von Sprachreisen in die Vereinigten Staaten ab und empfehlen stattdessen Kanada. "Dort gilt das Praktikum als Fortsetzung des Sprachkurses", erklärt Rüdiger Ullrich, Produktmanager bei den Carl Duisberg Sprachreisen. So bekam auch Anke Mittag ihr kanadisches Visum ohne Probleme.
Die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin, derzeit Sachbearbeiterin bei einer Zeitarbeitsfirma, landete bei einer Non-Profit-Organisation, die Projekte in Südamerika und Südafrika unterstützt. Sie arbeitete an der Rezeption und in der Telefonzentrale. "In Deutschland wäre das nicht mein Traumjob, aber dort fand ich es klasse, weil ich reden musste", erzählt sie. Erst danach habe sie gemerkt, wie viel ihr das Praktikum gebracht habe. Die Organisation über einen Sprachreiseveranstalter sei für sie das Richtige gewesen. "Allein wäre mir das zu riskant gewesen", sagt die 36-Jährige. Inzwischen hat sie Gefallen an Kanada gefunden - und sucht dort einen Job.
Weitere Informationen im Internet:
www.zeit.de/2003/11/sprachen
- Datum 06.03.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11/2003
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