Da die Hühnersuppe schon seit Jahrhunderten als Hausmittel gegen allerlei Zipperlein gepriesen wird, ist die Wirkung wohl nicht auf die Rückstände aus der Massentierhaltung zurückzuführen. Bei der Volksmedizin ist es allerdings schwierig, einen pharmakologischen Effekt von der psychologischen Wirkung zu trennen, die entsteht, wenn der bettlägerige Kranke von der Mutter mit einer dampfenden Suppe liebevoll versorgt wird.

Im Fall der Hühnersuppe hat es tatsächlich In-vitro-Experimente gegeben – Versuche im Reagenzglas, bei denen der mütterliche Placebo-Effekt sicher auszuschließen ist. Stephen Rennard und seine Kollegen vom Nebraska Medical Center bereiteten eine Hühnersuppe nach einem Rezept zu, das von der Großmutter eines der Forscher stammte. Dann untersuchten sie die Wirkung dieser Suppe auf die so genannten neutrophilen Granulozyten – weiße Blutkörperchen, die der Körper bildet. Diese sind einerseits für die Abwehr der Viren nötig, sorgen im Übermaß aber auch für Erkältungssymptome wie das Anschwellen der Schleimhäute. Und siehe da: Die Brühe hemmte die Bewegungsfähigkeit der Abwehrzellen. Welche Ingredienzien von Omas Hühnersuppe für diese Wirkung verantwortlich sind, konnte die Studie nicht klären. Es zeigte sich aber, dass Tüten- und Dosensuppen zum Teil noch besser wirkten als die Traditionsbrühe.

Solche Experimente beweisen natürlich noch nicht, dass die Suppe auch tatsächlich wie ein Medikament im Körper wirkt. Die Forscher räumen ein, dass beim lebenden Patienten noch weitere Faktoren zur Wirkung des Hausmittels beitragen – etwa die schleimlösende Wirkung heißer Flüssigkeiten und die „soziale Umgebung“, in der die Suppe verabreicht wird. Christoph Drösser

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