Wann wird die Fantasie endlich ins Gefängnis geworfen? Schlimmer als freche Kinder und ihre kitschige Mythisierung als kreativ ist nur eines: brave Kinder. Schlimmer als eine ganz von Coca-Cola beherrschte Welt ist nur eine, in der Coca-Cola gar nicht erhältlich ist. Roberto Benigni hat sich für seine wenigstens sündteure Verfilmung der Brave-Kinder-Bauanleitung Pinocchio eine Welt mit Süßigkeiten aus dem 19. Jahrhundert zusammenpoetisiert. Kann der mit seinen Augenbrauen arbeiten! Der Unglückliche ist Regisseur und Hauptdarsteller, Pinocchio zu spielen sein Lebenstraum. Kein Holzspielzeug könnte prätentiöser und erzieherisch wertvoller sein als dieser Holzkopf von einem Schauspieler, der die bekannte Puppe als ununterbrochen schrill tönende Anbiederung an Kindheitskonzepte aus dem Bettwäscheladen anlegt, die Walt Disney hard-boiled aussehen lassen. Auch Zweijährige sind zerebral nicht so behäbig. Gipfel des kandierten Kabinettstückchens ist die Figur der alles verzeihenden guten Fee, die, so vermeintlich verführerisch wie bemüht mütterlich von Benignis Ehefrau gespielt, dem hölzernen Ödipus beim Lebensträume-Erfüllen hilft. Hätte er die doch lieber einem toleranten Ehepaar erzählt. Denn die Regression, und das ist besonders schrecklich anzusehen, gerät diesem Künstler nicht mal entspannend, sie ist ihm eine ganz besonders verkrampfte und ambitiöse Anstrengung. Du darfst die Augenbrauen jetzt wieder runterlassen.