D on’t litter!" Keine Meile Highway ohne Ermahnung. Wer einmal die schier endlosen Sumpf- und Strandzufahrten in Florida befahren hat, weiß: Hier herrscht der Sauberkeitskult. Einen Straßendienst braucht der Sonnenscheinstaat nicht. Jeder Quadratzentimeter wird von einer Schulklasse, einer Firmenbelegschaft oder einem Seniorenverein besenrein und müllfrei gehalten. Und wer sich doch wie ein Schwein verhält, dem geht es wie Palmer Stoat in Carl Hiaasens jüngstem Thriller Krumme Hunde.

Palmer fühlt sich blendend. Nicht mehr als 30000 Dollar und einen Nachmittag hat es ihn gekostet, ein Riesennashorn zu erlegen. Nicht einmal sein angestammtes Territorium hat er verlassen müssen, um die Trophäe heimzuholen. Um die Ecke, in Ocala, Florida, liegt die Wilderness Veldt Plantation, ein Disneyworld für Großwildjäger. Dass Palmers Opfer sein erwachsenes Leben als Attraktion eines Low-Budget-Zoos in Arizona verbracht hat, seit Jahren an grauem Star litt und so wild war "wie ein Goldhamster", hat den Wochenend-Killer nicht wirklich gestört. Erst als sich herausstellt, dass dem Leichnam das vordere Horn fehlt, ist Palmer irritiert. Die Trophäe war bereits vorab an die Chinesen verhökert worden, die für ein Kilo dieses Aphrodisiakums mehr zahlen als ein Jagdgast für den Abschuss des ganzen Tiers. Doch nichts ist unmöglich im Mutterland der Schönheitschirurgie. Es kostet Palmer nur einen geringen Aufpreis, beim Präparator um die Ecke ein perfektes Fiberglasimitat des Nasenhorns zu erwerben.

Und so rollt Palmer in bester Laune den Highway entlang und wirft hin und wieder eine brennende Zigarette oder eine Coladose aus dem Autofenster. Der Überschwang kommt ihn teuer zu stehen. Denn hinter ihm fährt zufällig Twilly Spree. Das ist ein sehr zorniger junger Mann, der erst recht wütend wird, wenn man ihn nicht versteht.

Palmer gehört zu den ganz Resistenten. (Das liegt an seiner Klassenzugehörigkeit, könnte man sagen. Littering gehört nur zu den kleinen Sünden eines professionellen Lobbyisten im Kapitalistenparadies.) Twilly schüttet ihm das nagelneue BMW-Kabrio mit Müll voll, er reißt Palmers so beeindruckend an der Arbeitszimmerwand hängenden Trophäen die Glasaugen aus. Selbst als Twilly seinen Labrador und sogar die Gattin (mit deren Zustimmung) entführt, begreift Palmer immer noch nicht, dass er seine Entsorgungsgewohnheiten ändern muss, wenn er am Leben bleiben will. Selbst so schlichte Wohlverhaltensregeln wie "Don’t litter" gehen eben in bestimmte Florida-Köpfe nicht hinein.

Nach der Lektüre von Carl Hiaasens Romanen bezeichnete ein Rezensent der New York Times die landläufige Annahme, die scheußlichsten Amerikaner wohnten in Los Angeles, Washington oder New York, als Fehlurteil und kam zu dem Schluss, dass "die barbarischsten, ignorantesten und ekelhaftesten Leute in Florida leben und gedeihen". Hiaasen, der sein täglich Brot als Kolumnist des Miami Herald verdient, gehört zu den wenigen Journalisten, die ihre Gesellschaftskritik zu mitreißenden satirischen Romanen steigern können. Sein Erfolgsrezept ist Zurückhaltung: Die wahre Geschichte vom Sicherheitsmann, den ein Delfin zu Tode vergewaltigte, hat er erst nach langem Zögern übernommen; die des Mannes, der über Jahre einen Alligator liebte, hat er noch nicht fiktionalisiert.

Literarisch, sind nicht die Bösewichter das Problem. Der Pfarrer, der seine Privatreligion über einen Fernsehkanal für Barsch-Angler verbreitet, um Kunden für ein Siedlungsprojekt im Naturschutzgebiet der Everglades zu mobilisieren, ist durchaus glaubhaft. Auch, dass der Widerling Angelwettbewerbe türkt, scheint in Florida möglich. (So geschehen in Dicke Fische.) Und die Baulöwen, Konjunkturritter und Nashornjäger, die friedliche Eilande zubetonieren, sind nicht nur in Florida denkbar. Die Helden allerdings, die dem herrschenden Wust aus Gier, Korruption und Skrupellosigkeit widerstehen und für Gerechtigkeit sorgen, die musste Hiaasen erfinden.