Jens Bemme, 24, studiert Verkehrswirtschaft an der Technischen Universität Dresden und ist einer der Gründer der Initiative "unternehmen selbst!beteiligen"

Ich frage mich, warum wir jedes Jahr wieder wie die Lemminge demonstrieren gehen, den Wissenschaftsminister beschimpfen und sagen, dass wir mehr Geld von ihm wollen. Unsere Verhandlungsposition dabei ist natürlich schlecht. Meine Idee ist zu sagen: Gut, wir sind nicht grundsätzlich dagegen, zur Finanzierung der Hochschulen beizutragen, sondern wir sind unter bestimmten Umständen dafür. Dieser Vorschlag ist erst mal ungewohnt.

Studiengebühren sind immer noch ein Tabuthema. Aber wir müssen endlich anfangen, über studentenfreundliche Modelle nachzudenken, anstatt zu sagen: Mit uns niemals. Denn dann werden die Gebühren über unsere Köpfe hinweg eingeführt. Dann wird es Modelle geben, die keiner wollte. Ich hätte kein Problem damit, Wegbereiter für Studiengebühren zu sein, wenn die Zahlungsmodalitäten und die Mechanismen, wie das Geld verwaltet und verwendet wird, im Interesse von Studenten sind. Wir müssen Einfluss darauf haben, wie das Geld genutzt wird. Diese Kontrolle ist mir wichtig.

In dem offenen Brief an die sächsische Landesregierung haben wir 47 Unterzeichner uns bereit erklärt, 100 Euro pro Semester freiwillig zu zahlen, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: Wenn wir zahlen, dann nur an die Uni und niemals in irgendwelche Löcher im Landeshaushalt, wie es in anderen Modellen der Fall sein könnte. Außerdem sollen nach unserem Konzept 90 Prozent der studentischen Beiträge direkt an die Fakultäten gehen und nicht in den großen Topf der Uni, der sehr unübersichtlich ist. Das Geld sollte den Studenten direkt in ihren Studiengängen zugute kommen, um den Bezug zum eigenen Studium aufrechtzuerhalten. Eine Kommission aus Studenten und Hochschullehrern müsste die Höhe der Beiträge bestimmen. Das wäre ein Druckmittel, um der Politik zu sagen: Wir zahlen nur, wenn ihr euren Verpflichtungen auch nachkommt. Denn wenn wir von der Politik enttäuscht würden, wenn die Finanzminister die Zuschüsse kürzen würden, weil es Studiengebühren gibt, dann könnten wir unsererseits unsere Gelder einbehalten. Natürlich soll niemand wegen fehlender finanzieller Mittel auf sein Studium verzichten müssen. Ganz wichtig ist uns, dass die Beiträge sozial verträglich sind.

Freiwillige Studiengebühren könnten auch neue Sponsoren anziehen. Wenn Studenten bereit sind, ein bisschen zu geben, dann ist der Hebel, andere Beiträge zu akquirieren, sehr viel größer. Häufig erkundigen sich Stiftungen, die Professuren oder Projekte finanzieren, danach, ob sich auch diejenigen, die davon profitieren, finanziell beteiligen, nämlich die Studenten.

Natürlich gibt es derzeit bei den freiwilligen Beiträgen einen Trittbrettfahrereffekt. Es profitieren auch Leute, die nicht zahlen. In der Bibliothek waren an den drei offenen Sonntagen, die die Spenden ermöglicht hatten, insgesamt 4400 Studierende. Wenn die alle nur einen Euro eingeworfen hätten, dann würde die offene Bibliothek am Sonntag zu einem Selbstläufer werden. Aber so sind die Menschen nicht. Ich bin da realistisch. Langfristig läuft es auf Pflichtbeiträge hinaus.