Ab 13 Jahren Kottans Enkel ermittelt

Krimiparodie einer österreichischen Autorin, die ebenso auf Sprache wie auf Handlung setzt

Was für ein verzwickter Fall. Sie: Autorin, Österreicherin, mitteljung. Mit ihrer Komplizin Heide Stöllinger zusammen auffällig geworden durch Bilderbücher. Hat vor Jahren für ihr hierzulande ungerechtfertigterweise wenig beachtetes Jugendbuch Indie Underground den Österreichischen Jugendbuchpreis erhalten. Er dagegen: mäßig erfolgreicher Privatermittler, mittelprächtig gebaut, immer im Secondhand-Trenchcoat. Besonderes Kennzeichen: trägt eine luftgekühlte Bruyère-Pfeife in den Mundwinkel geklemmt. Als 14-Jähriger ist es halt schwer und überdies kriminell, an Tabak heranzukommen.

Dieser Sommerferiendetektiv ist Titelfigur in Adelheid Dahimènes Krimiparodie Spezialeinheit Kreiner. Zusammengenommen sind beide ein Team, das ihresgleichen sucht. Kreiner ist die liebevolle Karikatur all jener Kinderschnüffler, die mit großem Ernst nach gestohlenen Federmäppchen oder geraubten Diamantenschätzen fahnden. Als Buch jedoch ein riskanter Fall. Denn Erzählungen, die ihre Komik aus dem fröhlichen Missbrauch stereotyper Krimi-Erzählmuster gewinnen, stoßen in der Kinderliteratur bislang auf nur wenig Leserliebe.

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Dabei hat die Ego-Spezialeinheit Kreiner alles, was andernorts erfolgreich funktioniert. Unbeirrbar durchkämmt er eine scheinbar von Schurken und Bösewichtern durchsetzte Region. Ob der Hundeentführer, der verrückte Ausradierer, der seine Opfer mit einem fetten Radiergummi auszulöschen versucht, ein dreister Tabakladenräuber oder der Gelegenheitsbankräuber Schinagl, sie alle sind im Visier von Spezialeinheit Kreiner. Ein Panoptikum, Kreiner inbegriffen, als hätten sich schillernde Comic-Figuren in die österreichische Welt eines Kottan ermittelt oder der Brenner-Krimis von Wolf Haas verirrt.

Auf der Seite des Gesetzes steht Polizeiinspektor Faschung, gar kein Freund jugendlichen Ermittlungswahns, und das Mädchen Alex, das mit Kreiner anderes im Sinn hat als, Verbrecher zu jagen. Was ihr sogar ein paar Tage lang glückt.

Adelheid Dahimène gehört zu den eigenwilligsten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Es sind vor allem die mit ihren Erzählsujets aufs engste verwobene artifizielle Sprache, die Komplexität von Wortspielen und Bedeutungsverschiebungen, die das Lesen zu einer detektivischen Aufgabe machen. In dieser einfach scheinenden, aber vielschichtigen Welt aus Sprache hat es die Handlung manchmal nicht einfach. Darin liegt auch die Schwäche. Die Handlung muss sich erst warm laufen, bevor sie zu der auf Hochtouren laufenden Fabuliermaschine aufschließen kann. Aber wenn Adelheid Dahimène lustvoll die Entführung eines gefesselten und geknebelten Kreiner schildert, die sich endlich als Start der Urlaubsreise von Familie Kreiner entpuppt, dann ist das weit mehr als nur ein süffisant ausgemalter Witz.

Spezialeinheit KreinerKinder- und Jugendbuch13Adelheid DahimèneBuchNP2003St. Pölten12,90158
 
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