Kunst am Ball

Wie aus dem Fußballer Markus Lüpertz ein Künstler wurde. Ein Gespräch über die Freude am Zerstören, die Tragik des Ruhrgebietes und die Kunst der Niederlage

Herr Lüpertz, können Sie sich noch an Ihren ersten Fußball erinnern?

Der erste Fußball, an den ich mich erinnere, war ein zusammengedrücktes Papierknäuel. Dann wurden aus alten Fahrradschläuchen eine Art Gummibänder herausgeschnitten, immer wieder um das Papier gebunden, gewickelt, immer wieder gebunden, wie zu einem Wollknäuel. Heraus kam eine doppelapfelgroße, beinharte Kugel, mit der wir dann 20 gegen 20 spielten. Man sah den Ball gar nicht, ihn einmal zu berühren war schon ein Erlebnis. So fing das an. Dann kaufte mein Vater nach der Währungsreform für teures Geld einen Tennisball – den werde ich auch nie vergessen. Ich weiß noch, dass er damals 220 Mark gekostet hat. Ein gebrauchter, abgewetzter Tennisball, den wir als Jungen unbedingt wollten.

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Sie haben 1968 ein großformatiges Bild gemalt mit dem Titel »Fußball dithyrambisch«. Es zeigt einen altmodischen, hellbraunen Ball, der aus nierenförmigen Lederstücken zusammengenäht war. Was war der Auslöser für diese Arbeit?

Ich malte in der Zeit die ersten Spargelfelder. Ich interessierte mich für diese endlosen Reihungen der aufgeschütteten Erdhaufen. Der traditionelle Fußball war aus rundlichen Lederriemen zusammengenäht und eben noch nicht aus Fünf- und Sechsecken, wie das heute der Fall ist. Da kam mir diese Assoziation. Die einzelnen Lederriemen erinnerten mich an die schnurgeraden Spargelfelder, aber nicht als Strecke, sondern als Kreis. Der Ball erschien mir zugleich wie eine Sonne, doch irgendwie hatte er eine ähnliche Form wie die Spargelfelder.

Spargelfelder? Sonne? Wie ist daraus ein Fußball geworden?

Ich habe mein Leben lang Fußball gespielt, und ein solcher Fußball lag bei mir im Atelier – das ist einer von diesen schönen Zufällen. Dass ich ihn gemalt habe, hat aber mehr mit einer ästhetischen Faszination zu tun als mit dem Sport.

Sie haben selbst noch mit Lederbällen gespielt. Haben Sie einen Unterschied zwischen dem Lederball und den neuen Kunststoffbällen feststellen können?

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