Was man im Kino per Gesetz verbieten sollte: Junge will was von Mädchen. Junge rennt auf Brücke oder in enger Gasse hinter Mädchen her, redend, rufend. Mädchen eilt mit starrem Blick weiter und guckt angestrengt nicht in die Kamera, die vor ihr hergezogen wird. Der Junge kommt immer näher und redet weiter auf sie ein. Er läuft jetzt etwas schneller, beide im Tempo von Sportgehern. Er redet weiter, holt sie fast ein. Und so fort. Schließlich dreht sie sich zu ihm um.

Oder dies: Jemand kommt in ein Haus oder eine Wohnung, die Tür war offen, oder der Summer öffnete sie. Der Betreffende beginnt ohne Punkt und Komma zu reden, weil er erwartet, dass seine Gesprächspartnerin im Haus ist. Komik soll nun dadurch entstehen, dass dem nicht so ist. Sie ist ganz woanders, oder statt der Freundin ist deren Geliebter da oder so. Der dies nicht merkende Held plappert aber munter weiter, bis seine deplatzierte Rede endlich offiziell so peinlich wird, wie die Idee schon von Anfang an abgedroschen war.

Einfälle wie diese, von denen man hofft, die Filmemacher möchten sie doch an einem dunklen Abend als Sperrmüll auf die Straße stellen und hoffen, Edel & Starck oder eine andere Privatfernsehproduktion holten sie ab, gehören noch zu den erträglicheren von Gregor Schnitzlers Soloalbum, dem Film "frei" nach dem Erfolgsroman von Benjamin von Stuckrad-Barre. "Frei" steht im Vorspann vermutlich dafür, dass auch der Autor die Verfilmung seines Werkes inzwischen allzu babyblöd findet.

Man könnte die vermeintliche Liebesgeschichte damit verteidigen, dass hier den ganz Kleinen etwas über das angeblich zeitlose Gefühl des Verlassenwerdens erzählt werden soll. Aber nicht einmal den Regeln der in den letzten zehn Jahren sattsam zur Formel "Universelle-Liebe-vor-konkret-lebensweltlicher-Kulisse" geronnenen deutschen Begeisterung für das, was ihre Anhänger für den frühen Truffaut halten, wird genügt. Die versprochenen Einblicke in die hippe Hauptstadt etwa, wo der Protagonist das vermeintlich beneidenswerte Leben eines Musikjournalisten lebt, bleiben konsequent auf dem närrischen Niveau abgelehnter Bi-Fi-Spots.

Sie zeigen nicht die Spur eines Ehrgeizes, irgendein reales zeitgenössisches Phänomen auch nur in die Kulisse zu schieben.

Im Gegenteil, die Wirklichkeit ist in diesem Film nicht einmal als Karikatur gefragt: Die Redaktionsräume sind hier größer als bei der Washington Post, sämtliche Musikzeitschriften des deutschsprachigen Raums samt aller Gothic-Fanzines und Fachblätter für Graffiti und Snowboard-Kultur hätten hier, wo angeblich eine Musikzeitschrift entsteht, Platz, und - Gipfel der Unglaubwürdigkeit - der Redaktionsleiter sieht aus wie Leander Haußmann. Die heiße Hauptstadtparty ist ein Ähnlichkeitswettbewerb mit so vielen Madonnas und Michael Jacksons, wie es sie auch in Cottbus und Coburg schon nicht mehr gibt. Auf dieser Party geht dem armen Ben ein als Anastacia zurechtgebrezeltes No-Angels-Mitglied an die Wäsche und zwingt ihn zu sexuellen Handlungen.

Überhaupt diese Weiber: eine Geißel der Menschheit. Vor allem wollen sie alle nur das eine. Alle sexuell aktiven Frauen werden zur Karikatur, während die begehrte, Liebeskummer verursachende Weggelaufene domestiziert und dämlich zwischen den Kategorien "liebes Mädchen" und "Maus" als lebende Ideologie ein Dasein fristet. Wer sie zurückhaben will, kann sich nur herrlich selbstironisch selbstbeschmunzelnden Aktivitäten hingeben, denen sich der ewige junge Heißsporn angeblich immer schon verschrieben hat: etwa dem Nebenbuhler ins Auto pinkeln. Da bleibt nicht nur der Schwanz in der nicht weit genug geöffneten Autoscheibe hängen, sondern ein noch schlechterer und ewig in die Länge gezogener Witz im Drehbuch. Watt hamwer jelacht!