Pflegeversicherung So jung und schon ein PflegefallSeite 3/3
Für den Oppositionspolitiker Horst Seehofer ist all das indiskutabel. Er will die Pflegeversicherung in die Krankenversicherung eingliedern und so Geld sparen. Tatsächlich bedeuten die getrennten Töpfe, dass die Krankenkassen kaum Interesse haben, Reha-Maßnahmen für ältere Versicherte zu finanzieren, um dadurch Pflegebedürftigkeit zu vermeiden. Claus Fussek, Leiter eines Münchner Pflegedienstes, hat sich mit vielen Chefs von Reha-Kliniken unterhalten. Die beteuerten, sie bekämen nie Patienten zugewiesen, die in Pflegeheimen leben.
Den Krankenkassen ist es lieber, die Menschen bleiben gebrechlich – und damit ein Fall für die Pflegeversicherung statt für das eigene Budget. Für Fussek allerdings ist klar: Schon mit einfachen Maßnahmen wie Krankengymnastik und Ergotherapie könnte manch ein alter Mensch so weit gefördert werden, dass er künftig weniger oder gar überhaupt keine Pflege mehr brauchen würde.
Die Zusammenlegung beider Kassen ist sicher sinnvoll. Doch sie allein kann die Zukunftsprobleme nicht lösen. Die Rürup-Kommission denkt deshalb über eine Kombination von privater Vorsorge – etwa für die leichtere Pflege der Stufe I – mit der Steuerfinanzierung nach. Horst Seehofer jedoch sieht in solchen Plänen „einen Rückfall in die sozialpolitische Steinzeit“, gegen den sich die Union mit aller Kraft stemmen werde. Ähnlich empfinden das auch viele in der SPD – bis hin zu Ministerin Ulla Schmidt.
- Datum 27.03.2003 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 27.03.2003 Nr.14
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