Bei allen Behauptungen, dass die Mondphasen auf etwas anderes wirken als auf den Meeresspiegel, springt bei mir der Legendensensor an. Wir hatten ja an dieser Stelle schon den angeblichen Einfluss auf die Zahl der Geburten oder Selbstmorde für Unsinn befunden. Und das Holz soll seine Beschaffenheit im Vierwochenrhythmus ändern?

Die von Ihnen erwähnte, aus der Schweiz stammende Fernsehsendung bezieht sich auf die Ergebnisse eines Forschers der ETH Zürich, der tatsächlich behauptet, Härteunterschiede am Holz je nach Mondphase feststellen zu können. Seine nicht sehr überzeugende Erklärung spricht von Teilchenstrahlung, die durch den Mond abgeschirmt werde. Wenn man aber getreu dem Grundsatz, dass außerordentliche Behauptungen auch außerordentlich guter Belege bedürfen, weiterforscht, dann stößt man auf eine große Zahl von Untersuchungen mit negativem Ergebnis: So konnte bei Tests an der Universität Freiburg, an der Technischen Universität Dresden und an verschiedenen Schweizer Instituten zu diversen Parametern des Holzes kein Unterschied zwischen Neumond- und Vollmondholz gefunden werden. Ein Autor weist in der Schweizerischen Zeitung für Forstwesen darauf hin, dass es zwar sehr viele "Mondregeln" für das Holzfällen gibt, dass diese aber sehr unterschiedlich sind und sich im Detail sogar widersprechen.

Pedro Gerstberger, Waldbiologe an der Universität Bayreuth, führt die Regel auf ein Missverständnis zurück: Früher habe man die Bäume vorwiegend bei absteigendem Mond gefällt – das ist die Winterzeit ab Januar, wenn die Bahn des Mondes immer flacher wird. Und das war auch sinnvoll, weil das Holz dann nicht "im Saftfluss" steht und daher schneller trocknet. Heute wird Holz auch im Sommer geschlagen und bei Bedarf vakuumgetrocknet. Dass immer mehr Holzhändler mit dem "Mondholz" werben, bezeichnet der Biologe als "Geschäftemacherei". Christoph Drösser

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