Wenn Sisi unterwegs war, hatte ihr Reisemarschall separate Fahrpläne mit speziellen Dienstordnungen ausgearbeitet – der Zug des kaiserlichen Hofes fuhr im absoluten Vorrang vor allen anderen Bahnen, und des Nachts durften auf der Strecke Ihrer Majestät keine Güter verkehren, um den "ruhigen Lauf" der hochherrschaftlichen Compartments nicht zu stören. Natürlich standen Ersatzloks bereit, die Lakaien waren eigens geschult. Die Reiseroute innerhalb des Reiches wurde durch Begehung vorher kontrolliert, an unübersichtlichen Passagen standen Bahnwärter in Sichtweite. War der Kaiser persönlich mit von der Partie, kutschierten 102 Personen Hofstaat über die Schienen inklusive Telegrafenbeamten, Hoftafelgestalter und Zuckerbäcker, extra Mobiliar, Wagenpark, 27 Pferde, Kuh und Ziege nicht zu vergessen für die tägliche Frischmilch Ihrer Majestät.

Der Hofsalonwagen der Kaiserin, 1873 nur für sie gefertigt, ist heute von jedem zu bewundern: Der zehn Meter lange Waggon mit seinem blechverschalten Kastengerippe aus Eiche und Esche, von drei Achsen getragen und der Schalldämpfung wegen mit Holscheibenrädern bestückt, ist an seiner letzten Station angekommen – im Technischen Museum Wien.

Die Innendekoration des fahrenden Hotelzimmers sollte auf ausdrücklichen Wunsch der Hochwohlgeborenen "außen stylgerecht, doch einfach, innen in gewähltester Eleganz, doch ohne jede Überladung" gestaltet sein. Alles "Holzwerk" musste matt geschliffen werden, beim Polstermöbel durfte kein Holzrand vorstehen, der Boden des Schlafcoupés war "mit lichten Angorafellen" auszuschlagen. Ein jegliches also vom Feinsten: Eichenparkett, die Türen furniert mit Ahorn- und Nussbaumwurzel, die Messinggarnituren mit Griffen aus Elfenbein und die Abdeckblättchen der Schlüssellöcher feuervergoldet und verziert mit der Initiale "E". Sofa, Fauteuil, Schminktisch, Spieltisch, Schreibtisch, Briefablage möblierten Boudoir, Salon und Diener-Coupé, alles mit schwerem, grünen Seidenrips, Seidendamast, Seidenköper tapeziert, die textile Bespannung in Hunderte von Plisseefalten gelegt und mit Rosshaar unterpolstert. Seidengaze und Seidenatlas überzogen die Wandlämpchen. Die beiden halb runden Leuchtkörper reiner Lampenluxus aus Messing, Gold, mattiertem Glas, Meisterwerke des Interieur-Handwerks; genial die Erfindung des Verdunkelungsmechanismus, der die Kuppeln – wie Lider die Augäpfel – verschließen kann. Aufwändigste Jacquard-Weberei für sämtliche Posamentierarbeiten, Bordüren, Kordeln, Knöpfe, überall mit Sisis "E" bestickt.

Zehn Prozent aller bei der Ausstattung verwendeten Stoffe waren für den Fall der Fälle zuverlässig mitzuführen, wenn der Zug unterwegs war. Nicht ganz einfach, wo doch der Herrscherin Nachttopf aus Kristallglas mit farbig gefasstem Zinkblechdeckel auf gedrechseltem Buchenholzteller, schellackpoliert, unterm Himmelbett stand. Und erst die eigentliche k. k.-Klobrille! Eigens für den blaublütigen Sisi-Popo wurde sie mit dunkelgrünem Samt bezogen, besonders dicht gewebt mit speziell feinen Härchen.

Die rollende Residenz – renoviert mit Gel, Kunstharz und Weizenkleister

Immer auf dem neuesten Stand der Technik, befreite man das Coupé, nachdem die allerdurchlauchtigsten Füßchen einmal gefroren hatten, von der "gänzlich ungenügenden Methode der Wärmeflaschen". Mit einem "briquetbestückten" Hängeofen und Dampf "zu Heitzen eingerichtet", war auch der "Lampist" arbeitslos geworden, dessen Petroleumbrenner der modernen Elektrobeleuchtung zu weichen hatte.

Und doch liebte die Legende das Eisenbahnfahren nicht! "Die See tentiert mich!", stöhnte sie nach einem Schiff, "die Wellen locken!", gurrte sie. Befallen von Phobien aller Art, rang Elisabeth nach Frischluft. "Durch die ganze Welt will ich ziehen!", rief sie aus, und der ungeliebte Kaiser-Mann mahnte ihr 1886 ob immer neuer Aus-Reisen jammernd hinterher: "Ich habe jetzt kein Geld, und wir müssen in diesen harten Zeiten ungeheuer sparen!"

Es waren dann auch nur mehr 12177,70 Euro umgerechnet, die der Habsburger Hof nach der Ermordung für den Rücktransport des Leichnams der Kaiserin im Hofsalonwagen Numero Hz 0011 zwölf Jahre später zu berappen hatte.