Äthiopien Der inszenierte HungerSeite 9/9
Diese Übertreibung ging selbst der WFP-Chefin Catherine Bertini zu weit. Doch ihr Statement „Das ist keine Hungerkatastrophe“ verhallte nun ungehört, die Katastrophenberichterstattung war längst auf Touren, eine differenzierte Darstellung drang nicht mehr durch. Als der Korrespondent Dreckmann dem Ansinnen der ARD-Heimatredaktion nicht folgte, für eine quotenträchtige Katastrophenstory nochmals nach Äthiopien zu fliegen, schickte man kurzerhand den Kollegen Hans Hübner los.
An Ort und Stelle konnte der heute 63-jährige Hübner, einst selbst Afrika-Korrespondent, dann zwar Unterernährung, aber keine Hungerkatastrophe entdecken. Er lieferte der Tagesschau in Hamburg daraufhin einen Bericht, der dem Spendenaufruf nicht das Wort redete. Ohne auf seine Rechercheergebnisse Rücksicht zu nehmen, habe die Tagesschau dennoch die Spendenaktion anrollen lassen, erinnert sich Hübner. Zwischen der Redaktion und dem Journalisten sei es daraufhin zu „Verstimmungen“ gekommen.
Den Höhepunkt der diesjährigen Hungerkatastrophe prognostizieren die äthiopische Regierung und der Sprecher des Welternährungsprogramms, Wagdi Othman in Addis Abeba, für die Monate April und Mai. Sie mahnen zur Eile. Bis dahin müssten die vielen Millionen Dollar und Nahrungsmittel ins Land geschafft sein.
Und niemand wird ihnen vorwerfen können, sie hätten nicht frühzeitig gewarnt.
* Name von der Redaktion geändert
- Datum 16.04.2003 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.04.2003 Nr.17
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