Achsenmäßig gibt das Trio Paris - Berlin - Moskau schon etwas mehr her als der "Stahlpakt" zwischen Nazi-Deutschland und Italien, dem sich als Dritter Japan zugesellte. Diese Achse war geometrisch gesehen ein rechtes Ungetüm. Sie zog sich von Berlin nach Rom, bog dann nach links ab, tauchte ab ins Mittelmeer, kroch hoch durch die Levante und versank wieder im Pazifik.

Dagegen die neue "Achse" vom Elysée übers Bundeskanzleramt in den Kreml: eine elegante, schnurgerade Linie, die sich höchstens beim Überqueren diverser mitteleuropäischer Flüsse die Lager nass macht.

Anders die Dreier-Achse von anno dazumal. Ein geografisches Krickelkrakel war sie, also gar nicht achsenwürdig, und länger noch als jede Mussolini-Rede, aber absolut geradlinig in der Stoßrichtung: Nicht weniger als die Weltherrschaft sollte es sein. Und die Paris-plus-Achse? Hübsch anzusehen ist sie in ihrer geometrischen Schlichtheit, aber sie weiß nicht, wohin. Zudem wird sie von gewissen Washingtoner Kreisen schon als "axis of insignificance" verhöhnt.

Was wir mit geziemendem Gegenhohn zurückweisen müssen. Lieber schwach und gerade als stark und verbogen. Denken wir daran, wie viel Unheil die alte Achse angerichtet hat und wie dünn dieses neue Ächslein ist. Und unser Kanzler in der Mitten - als "Bleigewicht im Stehaufmännchen Europa", wie Bismarck einst die deutsche Rolle definierte. Er wird dafür sorgen, dass die Achse nicht zum Abenteuer gerät. Notfalls mit der Großmacht Belgien als Gegengewicht.