Es gibt Tränen, als ich meinem 11-jährigen Sohn eröffne, auf seinem Computer werde eine Kinderschutzsoftware installiert. "Das darfst du nicht, das ist mein Computer!", protestiert er. Die elterliche Erklärung, es gehe doch nur darum, ihn vor bestimmten, ungeeigneten Internet-Seiten zu bewahren, fruchtet wenig. "Egal", heißt es, "das ist mein Computer und nicht deiner!" Im Vater beginnt es zu arbeiten. Ist das jetzt ein Zeichen dafür, dass der Filius schon ein ausgeprägtes Bewusstsein für Datenschutz und Intimsphäre besitzt (positiv), oder macht er auf seinem Computer vielleicht heimlich Dinge, die man nicht mitbekommen soll (bedenklich)?

Mit solchen Gewissensfragen kämpfen viele Eltern, die fürchten, dass zarte Kinderseelen bei den ersten Schritten ins Internet Schaden nehmen könnten. Dabei geht es nicht um den einen oder anderen nackten Busen, der vielleicht mal auf dem Bildschirm aufleuchtet, sondern um harten Sex jeder denkbaren Spielart, es geht um die Pamphlete rechtsradikaler Grüppchen, um tasteless-Seiten mit schockierenden Darstellungen von Leichen und Unfallopfern. Oder was ist mit den Chats, die bei Jugendlichen so beliebt sind? Wie viele Pädophile geben sich dort als Altersgenossen aus? Und selbst wenn der Filius zu Hause einigermaßen behütet ist – welche Gefahr droht in der Schule, wo Halbwüchsige vielleicht gern damit angeben, was sie schon alles im Netz gefunden haben?

Zwar ist in Deutschland vieles verboten oder eingeschränkt, vor allem nach dem gerade in Kraft getretenen neuen Jugendschutzgesetz, zwar gibt es mit jugendschutz.net eine Organisation der Bundesländer, die ständig Internet-Inhalte kontrolliert und mit Betreibern und Providern redet – aber solche nationalen Bestimmungen zählen wenig in einem weltweiten Netz, in dem ferne Länder nur einen Klick entfernt sind. Auch ein naiver Surfer, der nicht gezielt nach Schmutz sucht, landet mit zwei, drei Klicks in Sodom oder Gomorrha. So wird auf den Seiten populärer Suchmaschinen für Erotisches geworben. Viele Sexanbieter setzen auch auf die mangelnden Rechtschreibkenntnisse der Benutzer – wer sich beim Namen von Britney Spears vertippt, sieht dann statt des Schlagersternchens plötzlich andere, dürftiger bekleidete Frauen. Und wehe dem Kind, das bei "pippi.de" ein p vergisst – es landet bei Beate Uhse statt bei Astrid Lindgren. Dazu kommen noch technische Risiken: Computerviren und -würmer lauern im Netz ebenso wie die so genannten Dialer, die teure Verbindungen über 0190er-Nummern herstellen.

Küssen verboten, Nazis erlaubt

Kommerzielle Kinderschutzprogramme bieten vielfältige Möglichkeiten, die Computernutzung der Kleinen einzuschränken. Das beginnt bei Zeitkonten, die für mehrere Kinder im Haushalt separat geführt werden können: Wer sein Zeitkontingent ausgeschöpft hat, wird aus dem Rechner ausgesperrt. Manche Programme können sogar differenzieren, dann darf das Kind noch die Textverarbeitung starten, aber nicht mehr das Ballerspiel. Außerdem verhindern diese Programme, dass das Kind versehentlich oder mit Absicht wichtige Systemkomponenten verändert oder löscht.

Beim Schutz vor gefährlichen Inhalten aus dem Netz gibt es große Unterschiede. Nicht zu empfehlen sind Programme, die Web-Seiten allein aufgrund von Stichwörtern in der Adresse oder im Text herausfiltern – solche Verfahren sind zu grob, sie sperren auch unbedenkliche Seiten aus und finden längst nicht allen Schmutz. Die meisten Eltern hierzulande werden auch mit eingedeutschten amerikanischen Programmen wenig anfangen können – die Moralvorstellungen diesseits und jenseits des Atlantiks sind denn doch zu verschieden. US-Kinderschutzprogramme sperren oft schon Seiten, auf denen "leidenschaftlich geküsst" wird, und lassen andererseits jede Nazi-Site durch.

Gute Filterprogramme müssen mehrere Kriterien erfüllen: Sie sollten auf einer ständig aktualisierten Liste von zu sperrenden Internet-Adressen basieren. Sie bieten idealerweise eine ganze Reihe von Kategorien, die man sperren kann. Und sie sollten zumindest schwer zu knacken sein. Ein Test von jugendschutz.net ergab vor vier Jahren, dass eine Gruppe von 12- bis 14-jährigen Computerkids alle damals verfügbaren Filterprogramme problemlos knacken konnte.

Heute sind die Programme schon schwerer zu umgehen. Etwa die Software Orangeweb Home von der Firma Cobion. Das Prinzip dieses Programms: Jede Internet-Anfrage des Computers zu Hause wird an einen Server von Cobion in Kassel, Boston oder Shanghai weitergeleitet. Steht die Adresse auf der schwarzen Liste, erscheint auf dem Bildschirm eine Fehlermeldung, in der auch der Grund der Sperrung genannt wird. Ansonsten wird die Abfrage weitergeleitet.