Umstritten war sie schon immer, jetzt verliert sie an Bedeutung: die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS). Im März beschloss die Kultusministerkonferenz, den Hochschulen künftig mehr Freiheiten bei der Auswahl ihrer Studenten einzuräumen. Bis zu 50 Prozent der Plätze können bei den von der ZVS vermittelten Fächern nun die Hochschulen in einem internen Auswahlverfahren vergeben.

Die Hochschulen sollen dabei zwischen zwei Modellen wählen. Variante A: Die eine Hälfte ihrer Studenten suchen sie sich selbst aus, die andere Hälfte wird über die ZVS zugeteilt. Ein Verfahren, das unter anderem von Baden-Württemberg favorisiert wird. Variante B: Die Hochschulen vergeben ein Viertel der Studienplätze selbst, und ein weiteres Viertel ist für die Bewerber mit den besten Abitur-Ergebnissen reserviert. Die restliche Hälfte wird wie bei Variante A über die ZVS verteilt. Dieses Verfahren wurde von Nordrhein-Westfalen entwickelt.

Beide Modelle gelten für die Numerus-clausus-Fächer Betriebswirtschaftslehre, Biologie, Medizin, Pharmazie, Psychologie, Zahn- und Tiermedizin. Im vergangenen Wintersemester konnten die Hochschulen erst 24 Prozent der Plätze vergeben, in den beiden Jahren davor 20 Prozent, und bis 1999 hatten sie gar kein Mitspracherecht.

Der Aufwand für die Auswahlverfahren ist hoch

Der angepeilte Start der neuen Regelung, das Wintersemester 2004/05, ist, je nach Lesart, ehrgeizig oder blauäugig gewählt. Denn bis dahin müsste dann auch das Hochschulrahmengesetz entsprechend geändert sein. Und die Rolle der ZVS müsste, da diese eine länderfinanzierte Einrichtung ist, in einem neuen Länder-Staatsvertrag festgelegt werden. Diesem müssten wiederum alle Landtage zustimmen.

Wer sich anschaut, wie die Hochschulen die bestehenden Möglichkeiten nutzen, muss sich allerdings fragen: Wollen die das überhaupt? Zum Wintersemester 2003/04 überträgt die überwiegende Mehrheit der Fakultäten ihr Wahlrecht auf die ZVS, rund 87 Prozent. Dass so viele Universitäten ihr Auswahlrecht nicht wahrnehmen, liegt laut Peter Frankenberg, dem baden-württembergischen Wissenschaftsminister, an der "negativen Einstellung" vieler Professoren, deren Mehrarbeit nicht ausgeglichen wird. Selbst die Befürworter der Selbstauswahl räumen ein, dass der Aufwand für die Auswahlverfahren sehr personal- und kostenaufwändig ist. Gleichzeitig liegen noch keine Daten darüber vor, ob die handverlesenen Studenten wirklich vorzeigbarer sind als die zugewiesenen.

Eine weitere Neuregelung soll die zögerlichen Hochschulen motivieren: Sie haben zukünftig vor der ZVS das Zugriffsrecht. "Nur so ist eine echte Auswahl durch die Hochschulen möglich", glaubt Klaus Landfried, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). "Die derzeitige Regelung rechtfertigt den erhöhten Aufwand nicht. Die Hochschulen wollen unter den Besten auswählen und nicht nur unter denen, die keinen Platz über die ZVS bekommen haben."

Vergleichsweise viel Erfahrungen mit universitären Auswahlverfahren hat die Universität Heidelberg gesammelt. "Generell wollen wir so viel wie möglich selbst auswählen. Das ist eine Frage der Qualitätssicherung: Wir wollen nicht nur die besten Professoren, sondern auch die besten Studenten nach Heidelberg holen", sagt Michael Schwarz, Sprecher der Universität. Für den höheren Aufwand würden die Lehrkräfte schon dadurch entschädigt, dass sie durch eine reduzierte Abbrecherquote – die derzeit beispielsweise bei Biologie bei 30 Prozent liegt – langfristig viel Arbeit sparen würden.