Es hat unruhige Träume heraufbeschworen: Dolly, das Schaf aus dem schottischen Roslin. Dabei war das Tier nach Auskunft seiner Schöpfer "so sanft, wie nur ein Schaf sein kann". Doch unter seiner Wolle lauerte die Hybris. Schließlich wurde Dolly nicht gezeugt, sondern kopiert - aus der Brustdrüsenzelle eines erwachsenen Tiers. Vom Klonschaf zum geklonten Menschen schien es nur noch ein kleiner Schritt zu sein. Seither ringen Forscher und Politiker weltweit um internationale Regelungen. Soll man nur das reproduktive Klonen verbieten, den Versuch, Menschen zu kopieren? Oder ist schon das therapeutische Klonen, das aus den Körperzellen schwer erkrankter Menschen Ersatzgewebe für ihre Heilung züchten will, ein Werk des Teufels?

Doch die Natur hat möglicherweise längst entschieden, worüber die Politik noch streitet. Diese ebenso ernüchternde wie beruhigende Nachricht kommt aus der University of Pittsburgh School of Medicine in Pennsylvania. Dort wurde 716-mal versucht, geklonte Tiere aus Körper- und Embryonalzellen von Rhesusaffen herzustellen - und alle Bemühungen waren vergebens.

Gerald Schatten und seine Kollegen hatten die Affen bewusst als Modellorganismus für die Gruppe der Primaten gewählt, zu der auch der Mensch zählt. Das Ergebnis in der aktuellen Ausgabe des Magazins Science belegt: Anders als bei Mäusen, Kälbern oder Schafen herrscht im Klonkern der Herrentiere nach dem Eingriff Chaos. Die Chromosomen ordnen sich nicht richtig in den manipulierten Zellen an. Die Regie des komplexen Zellteilungsballetts fällt aus, mit tödlichen Folgen für den Embryo. Mit den gegenwärtigen Verfahren könne sich das therapeutische Klonen zum Erzeugen von Ersatzgewebe "als schwierig erweisen und das reproduktive Klonen als unmöglich", schreiben die Autoren der Studie.

Als Lügner sind damit entlarvt: der französische Rennfahrer Claude Vorilhon, bekannt als Sektenführer Rael, der exzentrische amerikanische Physiker Richard Seed, der italienische Reproduktionsguru Severino Antinori. Sie haben immer wieder behauptet, Menschen klonen zu wollen, ja bereits geklont zu haben. War also alle Aufregung umsonst?

Keineswegs. Sollen wir Menschen klonen? Dürfen wir tun, was möglich wird?

Diese Fragen behalten ihre Berechtigung. Wie jede Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen der Wissenschaft muss auch die biopolitische Debatte die Zukunft ihres Fachs in den Blick nehmen, will sie nicht von den Ereignissen überholt werden. "Es lohnt sich immer, worst case-Szenarien zu entwerfen, wenn man Zukunftsaussichten beurteilt", sagt Dollys Schöpfer Ian Wilmut. "Aber es wäre natürlich ein Fehler, diese Szenarien mit der Wirklichkeit zu verwechseln."

Dolly steht seit einer Woche im Royal Museum in Edinburgh - als ausgestopftes Zeugnis menschlicher Machbarkeitsfantasien.