Seit Jahren liefern sich Rechtsanwälte mit Banken einen Kleinkrieg vor Gericht, weil die Institute bei vielen Immobilienkäufen ihre Kunden übers Ohr gehauen haben sollen. In einem besonders krassen Fall verurteilte das Oberlandesgericht Frankfurt jetzt die Commerzbank zu Schadenersatz. Sie habe ihren Kreditkunden "vorsätzlich" und "sittenwidrig" geschädigt. Der hatte sich 1991 von einem betrügerischen Immobilienvermittler für 780 000 Mark eine Wohnung andrehen lassen, die der selbst erst wenige Tage zuvor für 390 000 Mark gekauft hatte. Die Bank zahlte dem Vermittler für die Anbahnung des Kreditgeschäfts eine "Bearbeitungsgebühr" und reichte den Kredit nur zwei Tage nach Beantragung aus, obwohl wichtige Unterlagen wie eine Mietgarantie und eine Liquiditätsberechnung noch gar nicht vorlagen. Für das Gericht genügten diese und weitere Indizien, um festzustellen, dass die Bank mit dem Vermittler gemeinsame Sache machte.

Das Urteil sei ein "Einzelfall", heißt es bei der Commerzbank. Und auch Peter Gundermann von der Kanzlei Tilp & Kälberer, die das noch nicht rechtskräftige Urteil erstritt, räumt ein, es sei ein "extremer Fall". Dennoch hofft er auf eine Signalwirkung, denn mit der "sittenwidrigen Schädigung" sei erstmals der schärfste in solchen Fällen infrage kommende Rechtsanspruch genutzt worden.