die zeit: In dieser Woche haben die Genomforscher bekannt gegeben, endlich ihr Ziel erreicht zu haben – nun sei das menschliche Erbgut zu 99,99 Prozent entziffert, so weit wie unter derzeitigen technischen Bedingungen möglich. Passend dazu wird nächste Woche das 50-jährige Jubiläum der entscheidenden Publikation von James Watson und Francis Crick gefeiert, die Beschreibung der Doppelhelix-Struktur in der Fachzeitschrift Nature am 25. April 1953. Werden Sie an den Feierlichkeiten teilnehmen?

Marie-Laure Yaspo: Ich weiß noch nicht, ob ich in die USA oder nach Großbritannien fahren werde. Ich habe gerade ein Kind bekommen und bin ein wenig gebunden. Außerdem werden die Feiern vermutlich sehr angelsächsisch ablaufen.

zeit: Ist das ein Problem für Sie?

Yaspo: Man wird dabei vermutlich nicht nur die Entdeckung der DNA feiern, sondern auch noch einmal die anglo-amerikanischen Verdienste bei der Entschlüsselung des Erbguts hervorheben. Das war aber ein internationales Abenteuer, dazu haben auch Europäer und Japaner viel beigetragen.

zeit: Sie selbst haben maßgeblich geholfen, das Chromosom 21 zu entschlüsseln. Wissen Sie nun, wie die DNA funktioniert, oder birgt sie noch Geheimnisse?

Yaspo: Wir haben unglaubliche Fortschritte gemacht und inzwischen eine Art Generalplan von dem Chromosom. Es enthält etwa 240 Gene, die jeweils einen oder auch mehrere Eiweißstoffe ausbilden können. Aber wie so häufig, stellt sich auch dieses Mal das Problem: Je genauer man nachsieht, desto mehr Fragen stellen sich. Nach wie vor kennen wir die Funktion der meisten Gene nicht, wir wissen noch nicht einmal genau, wie viele Gene wir haben. Und vor allem wissen wir nur sehr wenig darüber, wie das Ganze so exakt gesteuert wird.

zeit: War der Glaube naiv, dank der Genforschung wäre der Krebs bald besiegt?