In Athen scheint es den meisten so selbstverständlich, dass sie kaum darüber sprechen: Griechenland ist so deutschlandfreundlich wie wohl kaum ein anderes Land auf dieser Welt. Ministerpräsident Konstantin Simitis hat in Gießen Jura gelehrt, sein Bruder Spiros Simitis leitet den Deutschen Ethikrat. Der Wirtschafts- und Finanzminister Nikolaos Christodoulakis versteht Deutsch, Justizminister Philippos Petsalnikos ist mit einer Deutschen verheiratet, der Industrieminister Apostolos Tsahatzopoulos hat hierzulande studiert, der Verkehrsminister Christos Verelis und der stellvertretende Außenminister Yiannos Papantoniou gingen auf die deutsche Schule in Athen. Die Liste ließe sich nicht nur mit Politikern beliebig fortsetzten - der Chefredakteur der Zeitung Kathimerini hat in München studiert.

Auch jenseits der Bildungselite finden sich unzählige Beispiele. Schätzungen besagen, dass jede dritte griechische Familie Kontakt zu Deutschland hat.

Dabei pflegen nicht nur die einstigen Gastarbeiter gute Beziehungen.

Traditionell werden die Kinder der Elite zum Studieren ins Ausland geschickt, 6000 davon jedes Jahr nach Deutschland. Die Freundschaft zahlt sich aus: Deutschland ist der wichtigste Handelspartner mit zehn Prozent der Einfuhren und zwölf Prozent der Ausfuhren. Nur ein Wermutstropfen trübt die glanzvolle Bilanz: Auch in Griechenland gewinnen britische Universitäten mit ihren kurzen Studiengängen an Beliebtheit. Die nächste Generation wird häufiger "Hi" statt "Hallo" sagen. Möglicherweise kauft sie dann auch lieber Pale Ale statt Pils.