Das Sportliche an der Nachkriegssituation im Irak ist, dass jedes amerikanische Ministerium seine eigenen Kandidaten für die Staatsführung ins Rennen schickt. Während Achmed Dschalabi, der Gladiator des Pentagon schon in der irakischen Arena gelandet ist (siehe oben), harrt der Mann des Außenministeriums noch fern des Geschehens aus. Adnan Patschetschi schaut von seiner Terrasse in Abu Dhabi auf den südlichen Persischen Golf und rätselt, wann er den Gratisflug in die Heimat nördlich des Golfes antreten darf.

Washingtons Diplomaten haben Patschetschi noch nicht den Abflugtermin genannt, aber sie wissen, was sie an ihm haben. Der heute 80-Jährige war in den sechziger Jahren, vor dem Putsch Saddam Husseins, irakischer Außenminister. Wenn die Amerikaner auf der Suche nach einem irakischen Konrad Adenauer sein sollten, dann wäre Patschetschi ihr Mann. Er stammt aus der Vor-Saddam-Elite. Schon sein Vater bekleidete zur Zeit der Monarchie den Posten des irakischen Premierministers.

Die Herkunft hat Patschetschis Auftreten geprägt. Der frühere Chefdiplomat ist das Gegenmodell zu dem nervösen Dschalabi: Patschetschi hört zu, redet nicht selbst ohne Unterlass. Wer den Grandseigneur trifft, steht im Bann seiner Ruhe und seiner Gelassenheit.

Als einer der ganz wenigen Sunniten in der irakischen Opposition hat Patschetschi nie einer Partei angehört oder den Amerikanern in einem anderen Land gedient. Im Exil hat er stets die Würde der Unabhängigkeit bewahrt.

Heute plädiert er offen gegen eine US-Militärverwaltung und für einen irakischen "Souveränitätsrat" als Übergangsregierung. Seine Unbestechlichkeit hat ihm die Achtung vieler Iraker eingetragen.

Offen ist, ob Patschetschi genügend Gönner auf dem Weg durch alle Washingtoner Instanzen behält. Er hat zwei Handicaps: Vor 35 Jahren, als Außenminister, sagte er einmal, Kuwait sei eine irakische Stadt am Meer. Das haben die Kuwaitis nicht vergessen. Und im vergangenen März vertraute er einem US-Gesandten an, er wolle mit Israel keinen Frieden schließen, solange es den Palästinensern nicht das Recht auf einen eigenen Staat zugestehe und das 1967 eroberte Westjordanland nicht zurückgebe. Beides könnte seine zweite Karriere bremsen, bevor sie begonnen hat.

Der Autor ist irakischer Politikwissenschaftler