die zeit: Die amerikanische Regierung hat die ersten Aufträge für den Wiederaufbau des Iraks schon ausgeschrieben, bevor überhaupt Schüsse fielen. Ist das nicht etwas ungewöhnlich?

Frederick D. Barton: Ich halte das für unproblematisch. Der Großteil der Verträge rings um den Wiederaufbau ist noch gar nicht vergeben – im Augenblick geht es nur um ungefähr 1,5 Milliarden Dollar. Und es geht um amerikanisches Steuergeld, nicht um irakisches Vermögen.

zeit: Das große Geschäft kommt also erst noch – die Verwendung der Ölmilliarden des Iraks für den Löwenanteil des Wiederaufbaus, so wie es das Weiße Haus vorgesehen hat. Viele glauben, dass die Vereinigten Staaten als Besatzungsmacht schon jetzt entscheiden, wer diese Aufträge erhält.

Barton: Es wäre ein schwerer Fehler, wenn Amerika jetzt die Hände einer künftigen irakischen Regierung mit langfristigen Verträgen binden würde. Diese Frage berührt den Kern irakischer Souveränität.

zeit: Konservative amerikanische Politiker fordern, mit dem irakischen Öl solle man auch einen Teil der amerikanischen Kriegskosten finanzieren.

Barton: Das ist eine schlechte Idee. Der Irak und die siegreiche Koalition haben eigentlich die gleichen ökonomischen Interessen: Je mehr Öl der Irak fördert, desto mehr Geld kann er in seinen eigenen Wiederaufbau stecken – und desto stabiler wird die Ölversorgung für die westliche Welt. Der Irak ist reich genug, um seinen Wiederaufbau zu großen Teilen selbst zu bezahlen. Er hat das Geld und die technokratische Elite.

zeit: Wie lange wird dann die Übergangszeit der Besatzung dauern? Im Verteidigungsministerium ist von sechs Monaten die Rede.