Zwei Tage, und dann war das Seminar Arabisch verstehen beim Hamburger Nah- und Mittelost-Verein der deutschen Wirtschaft ausverkauft. In London erfreuen sich die Irak-Informationsabende der Trade Partners UK ähnlicher Beliebtheit. Und in Washington kann das Forschungsinstitut CSIS dieser Tage sogar 1000 Dollar für ein Seminar verlangen, auf dem Senatoren, ehemalige Generäle und Staatssekretäre reden. Thema: Aufbau Irak – Die Herausforderung für Unternehmen.

Rund um die Welt sprießen die Hoffnungen aufs schnelle Geschäft in Bagdad. Obwohl die letzten Bomben noch nicht gefallen und die Toten nicht begraben sind, schnüren auf den Philippinen die Wanderarbeiter bereits ihr Säckchen. Kaum jemand arbeitet so billig in der Montage wie sie und versteht dabei noch Englisch.

In Minnesota träumen die Farmer davon, "die Freundschaft mit den irakischen Müllern zu erneuern", so Alan Tracy, Präsident des amerikanischen Weizenverbandes. In Kuwait hoffen die Ölfachleute darauf, bald auch an den Quellen des ehemaligen Feindes bohren zu dürfen. Und in Spanien versucht die Regierung Aznar, ihren Unternehmen durch geheime Absprachen und eilfertige Reisen nach Washington einen Startvorteil zu sichern.

Doch wer wird wirklich das große Geschäft in Bagdad machen? Wer wird es bezahlen? Und wer wird das liefern, was die Iraker wirklich brauchen?

In Deutschland gibt man sich derzeit pessimistisch. "Bei der Vergabe der Aufträge wird sich deutlich bemerkbar machen, dass Deutschland die USA im Krieg nicht unterstützt hat", fürchtet Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels. "Wenig zu bestellen" hätten die Deutschen, glaubt auch VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Ähnliche Prognosen sind in Frankreich zu hören.

Von der Zeitung La Tribune befragt, fürchten zwei Drittel der Leser eine Benachteiligung der heimischen Wirtschaft. Viele denken wie der erstaunte Vertreter des Pariser Wirtschaftsministeriums: "Die Art, wie die Amerikaner ihre Unternehmen durchsetzen und dabei jene bevorzugen, die der Regierung nahe stehen, ist einfach atemberaubend." Oder sie reagieren verärgert wie Claude Schneider vom Bauunternehmen Case Poclin: "Wir waren seit 35 Jahren im Irak vertreten. Doch nun sollen alle Aufträge an die Amerikaner gehen."

Missmut auch in Russland, bei dem dritten mächtigen Verbündeten der Friedensachse. Dort hat Nikolaj Tokarew, der Direktor der russischen Ölfirma Zaroubenjneft, seine Verträge zur Ausbeutung irakischer Ölfelder innerlich bereits abgeschrieben. Er nennt das schwarze Gold kurz "die Kriegsbeute der Amis".

Amerikanische Kapitalisten gegen russische Ölbarone? Deutsche Bauunternehmen gegen britische Consultants?