Doch irgendwann hat im Lauf dieser langen Erzählung auch Enquists Geschichte ihr Leben und ihr Geheimnis eingebüßt. Interessant, um ein Dutzendwort zu nehmen, und anregungsreich bleibt es immer – man denkt da an George W. und seine born-again Christians und dort an die leicht geistverwandte Hisbollah. Mit großer Kennerschaft ist es ohnehin gemacht; wie Enquist vom Dokument zum historischen Bericht und vom Bericht zur voll fiktiven Szene übergeht, wie er die heiklen Deutungen in fiktive Dialoge verlegt, das alles wird man immer wieder bewundern. Aber die Prosa, die man hier bewundert, ist nicht mehr die alte Enquistsche, die so knappe und spröde, die man geliebt und mehr als geliebt hat. Das Autobiografische kommt zugunsten des Historischen zu kurz. Das Breitbanderzählen hat das immer neu ansetzende Spiel des Zusammensetzens verdrängt. Und im großflächigen Auspinseln gehen dieses Mal die Figuren verloren, in den Einzelheiten die Konturen der Figuren und in der Langsamkeit die Wahrnehmung der Schwellen und Krisen, die doch für diese Geschichte so wichtig wäre. Man erfährt zu viel und zu vieles zweimal und das zweite Mal oft noch von unplausiblen Wiederholungen niedergedrückt. Man erfährt mehr als je und zugleich weniger als sonst.

Kurz: Dieser Roman ist sehr gehaltvoll, ideenreich und ansprechend, nur leider erheblich weniger aufregend als die anderen sechs Romane Enquists.