Mut zum Außergewöhnlichen haben die Wahlleute vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) am vergangenen Wochenende bewiesen. Sie haben sich für Leipzig entschieden - und gegen Deutschland. Denn wer Leipzig ins internationale Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2012 schickt, hat die deutsche Kandidatur schon aufgegeben, bevor der Wettlauf richtig begonnen hat. Schade.

Olympia in Deutschland. Es hätte sehr schön werden können.

Also Leipzig. Jetzt geht es gegen Madrid und New York. Mit Leipzig? Städte von dieser Größe haben so gut wie keine Chance. Dies hat das Internationale Olympische Komitee (IOC), das den Ort der Spiele in zwei Jahren benennen wird, längst durchblicken lassen. Das IOC will nach dem Auszug der Athleten auch keine Ruinen olympischer Dörfer zurücklassen. Doch schon heute stehen in Leipzig viele Wohnungen leer. Was hat diese Stadt verbrochen, dass Deutschlands Sportfunktionäre bereit sind, Leipzig scheitern zu lassen?

Während die Sachsen einen zurückhaltenden Olympia-Wahlkampf führten, legte sich der Favorit Hamburg so heftig mit dem Kontrahenten Düsseldorf an, dass die Düsseldorf-Befürworter im Finale für die unverdächtigen Sachsen gestimmt haben. Das Votum für Leipzig ist, unter anderem, Rache an Hamburg.

Leipzig benötigt jetzt eine Menge Geld. Im kommenden Jahr werden sich die komfortgewöhnten Olympia-Prüfer des IOC über ostdeutsche Straßenkarten beugen, sich auf eine englisch klingende Aussprache von "Leipzig" einigen und die fremde Stadt besuchen. Die einflussreichen Gäste wollen beeindruckt werden, durch fabelhafte Wettkampfstätten etwa. Sponsoren gilt es bis dahin aufzutreiben, die Millionenbeträge auf die Karte Leipzig setzen sollen. Zu befürchten ist, dass sich die Wirtschaft vor einem Investment Leipzig die Olympia-Prognose Leipzig anschaut und den Fall lustlos ans Kanzleramt weiterreicht.

Aber Schluss damit. Es gibt jetzt keine Nörgler mehr, es gibt nur noch Deutsche. Alle für Leipzig! Und was, wenn es schief gehen sollte?

Weitermachen. Die nächste Runde kommt bestimmt. Und die Deutschen können sich in der Zwischenzeit überlegen, ob ihnen auch Olympia 2016 so unwichtig ist, dass allein ein Kreis alter Männer darüber bestimmen soll.