Mittwoch, 9. April

Der Einmarsch der Amerikaner war für Bagdad kein Festtag. Nie erschien das Ende einer Diktatur so traurig. Die Jubelszenen im Fernsehen, das war das Fest einer kleinen Minderheit. Die meisten Einwohner hatten sich zu Hause verbarrikadiert, wie sie es auch während des Bombardements getan hatten. Weit weg von den Fernsehkameras. Sicher, viele in Bagdad haben das Ende Saddam Husseins mit Erleichterung und Freude aufgenommen. Einige Leute haben den einmarschierenden Amerikanern vom Straßenrand aus applaudiert. In dem schiitischen Armenviertel Saddam City riefen manche: "Hoch lebe Bush!" Viel weiter verbreitet war eine andere Reaktion: Vor allem junge Menschen nutzten das Machtvakuum aus, um öffentliche Gebäude und Vorratslager zu plündern.

Natürlich musste man das ungeschriebene Drehbuch für den Sturz von Diktaturen beachten. Also hat man die Statue Saddam Husseins auf dem Paradies-Platz gestürzt. Die Fenster der beiden Hotels, die sämtliche Journalisten beherbergen, schauen genau auf diesen Platz. Die Statue liegt jetzt zerbrochen auf dem Boden. Auf dem Sockel ist eine irakische Fahne gehisst worden. Die Panzer rundherum haben die amerikanische Flagge aufgesteckt. So viel zu den Symbolen.

Donnerstag, 10. April

Kein Kanonendonner, keine Bomben. Die Wände erzitterten nicht mehr. Endlich habe ich schlafen können und wachte, es ist kaum zu glauben, vom Schrei eines Hahns auf. Vielleicht war der Krieg nur ein Albtraum?

Nein, die Panzer vor dem Hotel sind immer noch da. Die Straßen liegen noch immer wie ausgestorben, sämtliche Geschäfte sind geschlossen. Viele Hotelbedienstete haben ihren Arbeitsplatz verlassen. Bis gestern noch haben sie das Schicksal herausgefordert und sind immer erschienen. Aber jetzt sind sie weg. Auch die Nahrungsvorräte haben sich aufgelöst. Die Restaurants der beiden Hotels sind geschlossen. Eine stille, aber spürbare Feindseligkeit gegenüber den Invasoren hängt in der Luft.