Die Deutschen sind Weltmeister im Sparen. Vor allem, wenn es ums Telefonieren geht. Centfuchser sozusagen. Und deshalb leben sie hierzulande im Paradies. Nicht nur, weil es jede Menge Anbieter gibt. Sondern auch, weil die extrem schnell agieren. Sie kalkulieren selbst mit jedem Cent. Ach was: sogar mit jedem Zehntel oder Hundertstel – und ändern virtuos die Tarife, manchmal sogar stündlich.

Wer also wirklich und immer profitieren will, der muss sich vor jedem Telefonat wieder neu informieren. Beispielsweise bei Tarifrechnern im Internet wie billiger-telefonieren.de oder teltarif.de. "Wir registrieren manchmal 30 bis 40 Tarifänderungen am Tag", sagt Christian Füg von billiger-telefonieren.de. Mehr Markt geht wirklich nicht.

In Deutschland herrscht ein buntes Treiben wie sonst nirgendwo auf der Welt. Fast wöchentlich ändert sich auch die Szene. Noch Anfang April wagte sich ein neues Unternehmen (Maestro) an den Start. Am selben Tag stellte ein anderes seinen Dienst für Privatkunden ein (Interoute).

So geht es jetzt schon seit mehr als fünf Jahren. Damals, 1998, wurde das Telefongeschäft für Newcomer geöffnet. Ein Ferngespräch kostete 60 Pfennig pro Minute (siehe Grafik). Das weckte die Hoffnung auf eine schnelle Mark. Große Konzerne traten an, der Telekom im Festnetz Konkurrenz zu machen. Aber auch Hunderte von Klitschen. Viele sind zwar schon wieder verschwunden, etliche aber überlebten den Kampf.

Gut getarnt ins Rennen

Möglich wurde die Vielfalt durch ein weltweit fast einzigartiges Liberalisierungsmodell. Mit einem Minimalaufwand konnte sich jeder an das Netz der Deutschen Telekom koppeln, zahlte für die Nutzung der Leitungen eine staatlich festgelegte Gebühr und vermochte von der Differenz fürstlich zu leben. Zunächst jedenfalls. Außerdem konnten alle darauf bauen, dass die Telekom für sie das Geld eintreibt – von den eigenen abtrünnigen Kunden. Das war deshalb so wichtig, weil das Abkassieren eine teure Sache ist, die sich nicht jeder hätte leisten können.

Für Furore sorgte zunächst Mobilcom als der Telefon-Aldi. Doch dann mischten die wahren Discounter den Markt auf. Sie ließen die Tarife bis an die Schmerzgrenze schrumpfen. Finanzpolster waren nicht mehr drin, Investitionen kaum noch zu finanzieren. Das aber störte nur jene Anbieter, die sich auf Dauer von der Nabelschnur der Telekom lösen, also eigene Netze bauen wollten.

Zum Beispiel Arcor. Das Unternehmen gehört seit Anfang 2000 mehrheitlich zu Vodafone. Es wurde damals mitverkauft, als der britische Mobilfunker den kompletten Mannesmann-Konzern schluckte. Harald Stöber, der Arcor-Chef, ließ sich dadurch zwar nicht beirren, agiert seither aber als Exot im Mobilfunkimperium der Briten.