Sonne, Strand, Sirtaki? Ulysses Kyriacopoulos lacht. Zum Stichwort Griechenland fällt ihm etwas anderes ein: "Steuern." Die seien für Unternehmen niedriger als in Deutschland. Dann sagt der Mann, der vor lauter Energie kaum eine Sekunde auf seinem Stuhl stillsitzen kann, noch: "Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich besitze Unternehmen in beiden Ländern."

Kyriacopoulos, der Chef des nationalen Unternehmerverbandes, gehört normalerweise nicht zu denen, die die griechische Wirtschaftspolitik preisen.

Und tatsächlich: Zwar lobt der Mann noch einmal kurz die Steuerreform der Regierung, dann aber dann wettert er gegen den strengen Schutz für Arbeitnehmer, die unfähigen Arbeitsämter, die schwerfällige Bürokratie und den nachlassenden Reformeifer der Regierung. Wenn da nur dieses zufriedene Lächeln nicht wäre.

Tatsächlich geht es den Griechen so gut wie lange nicht - glaubt man den Statistiken. Still und heimlich hat sich ihr Land in den vergangenen Jahren zum Wirtschaftwunder Europas gemausert. Eine "bemerkenswerte ökonomische Entwicklung", konstatiert selbst die sonst mit Lob sehr zurückhaltende OECD.

Das Land, dem noch vor wenigen Jahren niemand ernsthaft den Beitritt zur Euro-Zone zugetraut hätte, bezahlt heute nicht nur mit der harten Währung. Es hat auch seine einst zweistelligen Inflationsraten reduziert und glänzte im vergangenen Jahr trotz der weltweiten Flaute mit einem Wirtschaftswachstum von vier Prozent.

"Griechenland wurde in den zurückliegenden Jahren komplett ungekrempelt", sagt Götz Funck, Chef der deutsch-griechischen Handelskammer. Trockene Zahlen kann er mit vielen Geschichten beleben, beispielsweise mit der von Perikles Panagopulos. Der Chef der Reederei Attica habe einst von seinem Vater ein paar alte Fährschiffe geerbt. Statt die einfach weiter über die Adria schippern zu lassen und das Leben zu genießen, habe er alles anders gemacht, anders als seine Vorfahren, anders als die Konkurrenz. "Er bestellte die neuesten, tollsten und schnellsten Fähren in Deutschland. Heute verschiffen seine Superfast Ferries nicht nur Urlauber von einer griechischen Insel zur anderen, sondern schwimmen auch in der Ostsee."

Eine Erfolgsstory, die wie eine griechische Variante der Fensterputzer-Millionärsmär klingt: schön aber untypisch. Funck weiß das, und deswegen verpasst er ihr durch ein weiteres Detail den nötigen Realitätsbezug: "Das war natürlich nur möglich, weil der Staat den Fährverkehr liberalisiert hat. Vorher saßen alteingesessene Reeder mit ihren verrosteten Schiffen auf dem Monopol." Die meisten Geschichten aus dem griechischen Wirtschaftswunder haben dieselbe Moral: Seit die Regierung das Liberalisieren und das Privatisieren, die sanfte Öffnung der Märkte und den Verkauf der Staatsmonopole gelernt hat, läuft vieles besser.