Film Nach dem TürenknallenSeite 2/2

Der geile Bock muss sterben

In Roehlers neuem Film spielt Glowna den sterbenden Vater des Helden, einen egozentrischen Romancier, der sich zeitlebens nicht um seinen Sohn gekümmert hat. Es passt zum Kosmos dieses Regisseurs, dass Glowna, der in Die Unberührbare eine echte Erektion in die Kamera hielt, in Der alte Affe Angst vom Krebs zerfressen wird. Wir sehen ihn kotzen, husten und mit Infusionen durch Krankenhausgänge schlurfen. Der alte geile Bock muss sterben, und seinen Roman wird er auch nicht mehr vollenden. Immer wieder verzweifeln Roehlers Filme an der Kreatürlichkeit des Menschen, an seiner Vergänglichkeit, an seinen Trieben, Lüsten und Sekreten. Es sind Filme, die sich nach der Feier des Empfindens sehnen, nach dem kurzen, seltenen Moment, in dem der Liebe nichts und schon gar nicht das Begehren in die Quere kommen kann. Man könnte diese tiefe Angst vor allem Körperlichen und die daraus resultierende Überhöhung des Gefühls neurotisch nennen, aber dafür ist Roehlers Kino viel zu klug. Es ist ein Kino, das sich seines eigenen verzweifelten Kreisens zutiefst bewusst ist und über sich hinausweist, weil es aus seiner Selbstbezüglichkeit keinen Hehl macht.

Gegen Ende von Der alte Affe Angst, als Robert und Marie sich fast verloren haben, stürmt er, der Theaterautor, aus einer Probe seines eigenen Stückes heraus, schimpfend und schreiend, dass er diese banale Scheiße nicht mehr ertragen könne.

 
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