Lichtmann: pleite. Nordstrom: pleite. EuroPower: pleite. Vossnet: pleite. Kawatt: pleite. Zeus: pleite. Riva: pleite. Die Deutsche Strom AG: pleite. Ares: pleite. Der freie deutsche Elektrizitätsmarkt, eine einzige Pleite?

"So desillusioniert", sagt Sabri Eryigit, "war ich noch nie." Der Deutsche türkischer Herkunft, Geschäftsführer des Stromanbieters Ares, wickelt das Unternehmen gerade ab. Mit 220000 Kunden war Ares nach Yello die Nummer zwei der Newcomer am Strommarkt. Es reichte nicht. Im Dezember vergangenen Jahres musste Eryigit aufgeben. "Ares ist off", ließ er die Kunden in Anspielung an die Werbung des übermächtigen Konkurrenten E.on wissen.

Wieder ein Stromanbieter weniger. Wieder ein bisschen weniger Wettbewerb. Wieder rund 150 Arbeitsplätze weg.

Der Strommarkt im Jahre fünf nach seiner Liberalisierung: Die Zahl der Anbieter schrumpft, die Preise steigen, die Verbraucher gucken in die Röhre. Einen typischen Drei-Personen-Haushalt kostet Strom heute monatlich 50 Euro – fast 10 Euro mehr als vor drei Jahren. Schuld daran sind allerlei gestiegene Abgaben; aber auch der schwindende Wettbewerb. Die Liberalisierung des Strommarktes in Deutschland sei schlicht gescheitert, schimpfen Verbraucherschützer. Und Henning Borchers, der als Geschäftsführer des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter (BNE) die letzten übrig gebliebenen Neulinge vertritt, sagt: "Das Monopol ist heute stärker als 1998."

Monopol? Auf dem Papier ist es verschwunden. Tatsächlich aber haben die Platzhirsche von einst ein Kunststück vollbracht. Mit ihrer fast beispiellosen Kraft und Macht gelang es der Elektrizitätsbranche, ihre Selbstkontrolle in das Zeitalter der Liberalisierung hinüberzuretten.

Dabei hätte vor fünf Jahren eine neue elektrische Ära beginnen sollen. Bis dahin waren Haushalte und Betriebe auf Gedeih und Verderb an einen Lieferanten gekettet, waren die knapp 1000 kleinen und großen Stromfirmen per Gesetz vor Konkurrenz geschützt, um – so die groteske Logik der Paragrafen aus dem Jahr 1935 – "volkswirtschaftsschädliche Auswirkungen des Wettbewerbs zu verhindern". Tatsächlich kassierten die Monopole ungeniert bei den Verbrauchern ab; die staatliche Energieaufsicht war heillos überfordert und ließ die Elektrofürsten gewähren.

Es war einmal eine große Idee

Wahrscheinlich, vermutet Uwe Leprich, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Technik des Saarlandes, hätte sich daran bis heute nichts geändert, wenn Brüssel nicht die Initiative ergriffen hätte. Doch Strommonopole passten nicht zu der großen Idee, Handel und Wandel in einem einheitlichen europäischen Binnenmarkt zu fördern. 29 Artikel einer EU-Richtlinie knackten die Macht der elektrischen Alleinherrscher – nach jahrelangem Hin und Her. Schließlich verzichtet kein Unternehmen freiwillig auf seine Privilegien.