Auf den ersten Blick wird der Eindruck vermittelt, als würden sich zwei konkurrierende Elektronikhändler erbittert bekämpfen. „Geiz ist geil“, sagt Saturn. Soll heißen: Hier kann man billig einkaufen. „Ich bin doch nicht blöd“, kontert Media Markt. Soll heißen: Hier ist es noch viel, viel billiger. Im Streit um Marktanteile senken die Unternehmen ihre Preise, und der Kunde hat die Wahl und den Vorteil – so sieht Wettbewerb aus.

Doch die vermeintliche Vielfalt in den Fußgängerzonen und Einkaufszentren ist eine Illusion. Viele bekannte Geschäfte gehören längst zu wenigen großen Handelskonzernen. Die aggresssiv werbenden Elektromärkte Saturn und Media Markt beispielsweise sind vereint unter dem Dach ihrer gemeinsamen Muttergesellschaft Metro – des umsatzstärksten deutschen Handelsunternehmens mit Sitz in Düsseldorf. Im Prinzip ist es also vollkommen egal, welcher Metro-Tochter die Kunden ihr Geld geben – es landet ohnehin irgendwann in der Bilanz der Holding. Das gilt übrigens nicht nur für Saturn und Media Markt, sondern auch für die Kaufhof-Warenhäuser, Praktiker-Baumärkte, die Extra-Supermärkte und andere Anbieter.

Metro ist nur einer von mehreren Oligopolisten. Auch der KarstadtQuelle-Konzern aus Essen und die Douglas Holding aus Hagen sind Platzhirsche in der City. Zu KarstadtQuelle gehören nicht nur Warenhäuser und der bekannte Versandhändler, sondern gleich ein ganzes Konglomerat anderer Läden: die Bekleidungskette SinnLeffers beispielsweise und der CD-Händler WOM. Jogger rüstet der Konzern über Runners Point aus, wer vornehmere Sportarten bevorzugt, wird bei Golf House fündig. Urlaub schließlich verkauft KarstadtQuelle in den Reisebüros von Neckermann und – gemeinsam mit der Lufthansa – bei Thomas Cook.

Die Douglas Holding hingegen bietet alles, was man für ein exklusiveres Shopping-Wochenende braucht. Armbanduhren von Juwelier Christ oder Düfte aus der Douglas-Parfümerie gefällig? Kein Problem. Auch wer in der Buchhandelskette Thalia nach aktuellen Bestsellern sucht oder sich bei Hussel ein paar Pralinen einpacken lässt, tut der Douglas Holding etwas Gutes. Und das Imperium der Ladenketten wird weiter wachsen. Vorstandschef Henning Kreke hat es Mitte April bereits angekündigt.

Marcus Rohwetter