Für den Film "Herr Wichmann von der CDU" hat der Regisseur Andreas Dresen einen 25-jährigen Bundestagskandidaten einige Wochen lang beobachtet. Henryk Wichmann trat im letzten Bundestagswahlkampf in der Uckermark, eine Autostunde nordöstlich von Berlin, als Neuling gegen einen etablierten SPD-Kandidaten an: Markus Meckel, 50, Pfarrer, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, später Vorsitzender der SPD-Ost und Außenminister der DDR, heute als MdB engagiert in der EU- und Außenpolitik. Herr Wichmann holte 21 Prozent, Herr Meckel 49 Prozent der abgegebenen Stimmen im Wahlkreis.

Herr Meckel, der Film über das Scheitern von Herrn Wichmann ist ein Dokument Ihres Erfolges. Er müsste Ihnen gefallen.

Ich habe ihn noch nicht gesehen.

Kann das daran liegen, dass Sie der Gewinner sind, aber die Dokumentation Herrn Wichmann bekannt macht? Jetzt gibt er Interviews und nimmt in einer Kolumne in der "tageszeitung" Stellung zu politischen Fragen aller Art, auch zu Frau Merkel. Sie haben keine Kolumne. Das ärgert Sie?

Überhaupt nicht. Ich möchte mir den Film anschauen, ich hatte nur noch keine Gelegenheit. Ich will sehen, ob es stimmt, was in den Rezensionen steht, dass dieser Film die Situation des Wahlkampfs auf dem flachen Land schildert. Und mich würde interessieren, ob sich das mit meinen Erfahrungen deckt.

Herr Wichmann ist 25, studiert Jura und erfährt jetzt als Wahlverlierer eine plötzliche Popularität. Mal unter uns: Hat er so viel Aufmerksamkeit verdient?

Ehrlich gesagt, eigentlich nicht. Er hat einfach das Glück gehabt, dass jemand einen Film über ihn gedreht hat. Nun ist die Frage, ob das ein Strohfeuer bleibt oder ob er es schafft, Substanz zu beweisen. Die Schwierigkeit ist doch, dass junge, unerfahrene Leute mitten im Studium nichts anderes werden wollen als Politiker und dann auf alles eine Antwort wissen – ohne über eigene Berufs- oder Lebenserfahrung zu verfügen.