Wenn sich die fünf größten deutschen Banken mit der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zusammentun und ein Unternehmen gründen, muss etwas im Busche sein. Sind die Indizien nicht eindeutig? Immerhin besteht der einzige Zweck des Gemeinschaftsunternehmens darin, Kredite aus den jeweiligen Bankbilanzen auszugliedern, in Anleihen zu verpacken und an Investoren zu verkaufen. Schon macht wieder das Schlagwort von der bad bank die Runde: Das neue Unternehmen, argwöhnen Kritiker, diene einzig dazu, die angeschlagenen deutschen Banken von ihren faulen Krediten zu entlasten. Es wäre eine Auffanggesellschaft, in der eine Staatsbank für die schlechten Geschäfte von Deutscher Bank & Co geradestehen müsste. Doch weit gefehlt. Und genauso falsch sind Jubelmeldungen, die neue Gesellschaft sei eine good bank – nun bekomme der Mittelstand endlich wieder Kredit, und das bringe die Wirtschaft in Gang.

Zwar ist die Kooperation der Crème de la Crème des deutschen Kreditgewerbes in der Tat bemerkenswert. Aber ihren Charme wird die neue Gesellschaft im Idealfall nur langfristig entfalten. Zur Lösung der aktuellen Probleme ist sie nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Das verdeutlichen schon die Volumina, die die Initiatoren anpeilen: Ein kleiner zweistelliger Milliarden-Betrag an Krediten soll noch in diesem Jahr über die Gesellschaft aus den Bankbilanzen verschwinden. Das gesamte Kreditvolumen in Deutschland beläuft sich – je nach Abgrenzung – auf 2500 bis 3000 Milliarden Euro. Selbst für eine einzelne große Bank stellt das angepeilte Verbriefungsvolumen eine Quantité négligeable dar. Und eine Garantie, dass die Banken die frei werdenden Mittel wieder für Kredite an den Mittelstand einsetzen, gibt es nicht. Eher werden sie eigene Schulden zurückzahlen und ihre Eigenkapitalposition stärken, als mit Geld um sich zu werfen. Die Kreditklemme in Deutschland wird durch die neue Gesellschaft kaum gelockert.

Sie ist aber auch kein Vehikel zum Abladen fauler Kredite. Wer würde solche Kredite kaufen? Die Gesellschaft kann die Kredite der Banken nur an Versicherer und Fondsmanager weiterreichen, wenn diese Forderungen bislang pünktlich bedient worden sind. Von bad bank keine Spur.

Hinter dem schlagzeilenträchtigen Gemeinschaftsunternehmen verbirgt sich schlicht eine Zweckgesellschaft. Bei mit Forderungen unterlegten Anleihen – im Fachjargon Asset Backed Securities (ABS) – ist so etwas das Normalste der Welt. Tausende davon gibt es auf der Welt, nur keine in Deutschland. Das hat bislang die Gewerbesteuerpflicht verhindert. Doch Finanzminister Eichel befreit Zweckgesellschaften von der Steuerpflicht und schafft damit die Voraussetzungen für eine echte Verbriefung von Krediten unter deutschem Recht.

Der Idee nach läuft die Verbriefung so: Die Zweckgesellschaft kauft den Banken Kredite ab, bewertet das Risiko, fasst die Kredite in einem neuen Pool zusammen und bringt diesen in Form von Anleihen an den Kapitalmarkt. Dort kaufen professionelle Anleger dann Teile der Anleihen. Der Clou: Durch diese Technik wird es möglich, bislang in den Bankbilanzen schlummernde Risiken an professionelle Investoren weiterzureichen. Kredite werden handelbar gemacht, und so wird eine neue Anlageform geschaffen.

Die komplexe Verbriefungstechnik ist nichts anderes als ein großes Spiel mit Ausfallwahrscheinlichkeiten. Darauf lassen sich Wetten abschließen. Allerdings: Das Risiko wird lediglich transferiert, verschwinden kann es nicht. Was der eine gewinnt, verlieren andere. Ein Deus ex Machina sind diese Transaktionen nicht.

Zudem gliedern die Banken weder ausschließlich die besten noch die schlechtesten Bonitäten aus, sondern einfach ein Bündel, das ihrem Durchschnitt entspricht. So legt die Bankenaufsicht höchsten Wert darauf, dass sich die Qualität des Kreditbuches der Banken durch die neue Technik nicht verschlechtert. Für die Banken würde es sich auch gar nicht lohnen, nur die schwächsten Kredite an den Markt zu geben. Denn die Investoren verlangen deutlich höhere Risikoaufschläge für mäßige Bonität, als die Banken ihren Kunden bislang in Rechnung stellen. Es wäre ein Verlustgeschäft, da sie diese Kredite nur mit Abschlägen losbekämen.