die zeit: Bund und Länder wollen in Zukunft getrennte Wege bei der Finanzierung des Hochschulbaus und der Forschungseinrichtungen gehen. Eine gute Nachricht für Deutschland?

Karl Max Einhäupl: Ich fürchte, nicht. Ich warne vielmehr davor, die Verantwortung für den Hochschulbau allein den Ländern zu übertragen. Bisher ist es so, dass der Bund beim Hochschulbau die Hälfte dazuschießt. Entfällt der Bundeszuschuss, fehlt den Ländern ein wichtiger Anreiz, in die Zukunft ihrer Universitäten und Fachhochschulen zu investieren. Dabei ist der Hochschulbau schon heute grenzenlos unterfinanziert.

zeit: Aber die Länder sollen vom Bund doch entschädigt werden und am Ende finanziell nicht schlechter dastehen.

Einhäupl: Es geht ums Prinzip der Kofinanzierung. Bisher kann der Wissenschaftsminister eines Landes seinem Finanzminister sagen: Für jeden Euro, den ich in den Hochschulbau stecke, bekommen wir einen weiteren Euro aus Berlin dazu. So wird er in Zukunft nicht mehr argumentieren können. Bei Verteilungskämpfen wird die Wissenschaft daher öfter den Kürzeren ziehen. Denn die Kosten für die Hochschulen gelten vielen Politikern als konsumtive Ausgaben und nicht als Investitionen, etwa für eine bessere Gesundheit, eine sauberere Umwelt oder neue Produkte.

zeit: Die jedoch kein Wissenschaftler kurzfristig versprechen kann.

Einhäupl: Eben! Wissenschaft braucht einen langen Atem. Politiker, die nichts mit Forschung zu tun haben, können sich nur schwer vorstellen, wie wissenschaftliche Erkenntnisprozesse verlaufen und welche Bedingungen dafür notwendig sind.

zeit: Aber alle Politiker beteuern doch stets, wie wichtig Wissenschaft für unser Land ist.