Der Friede zu Utrecht. Die Fahrräder klingeln, der Domturm verschüttet sein Glockenspiel, die Kastanienblüten schwimmen in der Alten Gracht. An deren Ende ein Elysium: das Café Ledig Erft. Punks spielen Schach, Althippies vernichten belgisches Bier. Du sitzt mit deinem Woody-Guthrie-Buch am Tresen, da legt der Kneiper This Land Is Your Land auf. Jetzt tritt ein Philosoph herzu. Eigentlich ist er Jazzbassist; 1978 wart ihr in Warschau im selben Archie-Shepp-Konzert. Gespräch über Weltall – Erde – Weib, dann das Ceterum censeo dieser Tage: Er sei für den Krieg.

Na, Glückwunsch: Wieso das?

Hitler, sprach er, Saddam, die Killer, das Böse müsse aus der Welt.

Ein bisschen bangte dir vor dieser Fahrt. In einem Amsterdamer Plattenladen hatte Anfang März ein Werbezettel ausgelegen: Blue Highways Festival Utrecht, eine satte Liste geschätzter Americana-Namen: Buddy Miller, Mary Gauthier, Slobberbone, Gurf Morlix, The Handsome Family … Blue Highways, das sind auf US-Karten die kleineren Straßen. Wege übers Land, zur Aberseite Amerikas, bereist von musikalischen Sozialreportern, Country-Partisanen und sonstigen Meistersingern der nonkonformen Integrität. Aber Krieg macht Patrioten, right or wrong. Du fürchtetest um dein Gegenwelt-Amerika.

Das Musikzentrum Vredenburg (Friedensburg): ein Stück Todsünden-Architektur in Utrechts Mitte. Ein großer und ein kleiner Saal – rappelvoll. Der holländische Americana- Freak ist männlich und kreist, gemütvoll Amstel süffelnd, um seine Lebensmitte. Man vermeidet Fan-Gehabe. Man tanzt nicht deutsch herum. Man hört Musik, und was für welche.

Buddy Miller schmiss eine Gala der Rockabilly-Gitarre. Caroline Herring sang die Engel vom Texas-Himmel. Altmeister Chip Taylor duettierte innigst mit der Geigerin Carrie Rodriguez. Kathleen Edwards rockte sich rauherbjung durchs bittersweet- Idiom. Slobberbone lärmten countryfizierten Rumpel-Rock und beschlossen das Festival mit einer krachenden Version von Neil Youngs Cortez the Killer. Ein Höhepunkt war Bobby Bare jr. Der Sohn der Country-Legende BB, gewandet in Humana-Kleiderspenden, tobte furios durch seine Cowpunk-Show und heulte die Motherfucker- Ballade ins blumenbekränzte Mikrofon. Interview. Kannst alles fragen, sagte er, außer zu meinem Vater und zu meiner Freundin.

Der Irak-Krieg…

Mann, wir sollten bessere Scharfschützen haben. Man muss diese fünf, sechs Typen doch umlegen können, ohne dass Tausende sterben. Ach, eigentlich haben wir gar nichts zu suchen in Middle East.