DIE ZEIT: Seit 1972 haben Sie als Indologin an der Universität Leipzig an dem Wörterbuch Hindi/Deutsch gearbeitet. Nun ist Ihr Lebenswerk endlich erschienen. Warum hat das so lange gedauert?

Margot Gatzlaff: Das Wörterbuch war eine sozialistische Planaufgabe und sollte 1978 fertig sein. Aber ein Wörterbuch mit 50000 Einträgen zu erstellen ist eine Wahnsinnsarbeit. Eigentlich hatten wir unsere Arbeit dann 1983 beendet.

ZEIT: Aber?

Gatzlaff: Wir hatten über 100000 Zettel mit den Stichwörtern beschrieben. Manche Einträge zogen sich über 30 Seiten hin. Der Verlag verlangte dann, dass wir alles auf Listen schreiben. Die deutschen Wörter tippten wir mit der Schreibmaschine, die Hindi-Wörter mussten wir per Hand schreiben. Hindi ist eine schwierige Silbensprache, bei der die Wörter durch Striche miteinander verbunden sind. Als die Listen in den Druck gehen sollten, kam die Wende – niemand konnte den Druck mehr bezahlen. Mitte der neunziger Jahre hat dann ein indisches Unternehmen die Daten in den Computer eingelesen. Doch die Firma ist plötzlich abgesprungen.

ZEIT: Zwischenzeitlich haben Sie über der ganzen Sache graue Haare bekommen.

Gatzlaff: Das kann man wohl sagen. Als ich 1999 pensioniert wurde, habe ich lieber selber die Wörter in den Computer eingegeben: Zwei Jahre lang habe ich Tag für Tag an dem Buch gesessen.

ZEIT: Was haben Sie gedacht, als Sie das erste Exemplar in der Hand hatten?