Landesbischof Dr. Wolfgang Huber sagt, es sei für den Menschen sehr schwer herauszufinden, was der Wille Gottes in einer konkreten Situation sei.

Als Ausweg rät er zum Gebet, bei dem man seine Zweifel vor Gott tragen solle.

Ist das alles, was ein Bischof über die "wichtigste Tätigkeit des Christenmenschen" (Luther) zu sagen weiß? Weiß er nichts von dem "Beten ohne Unterlass" des Paulus? Weiß er nichts von dem "Herzensgebet" der russischen Starzen, bei dem sich alle Zweifel auflösen? Weiß er nichts von dem Zustand der Einheit, den Jesus ganz einfach so beschreibt: "Ich und der Vater sind eins"? Weiß er nichts von dem protestantischen Schuhmacher Jakob Böhme, der gesagt hat: "Wenn du in gänzlicher innerer Stille bist, dann ... siehst und hörst du, wie GOTT in dir sah und hörte, lange ehe dein gegenwärtiges Sinnenleben begann."?

Als Meditationslehrer wundere ich mich auch darüber, dass Herr Dr. Huber sich einen Sektenbeauftragten hält, der alle Versuche der asiatischen Konkurrenz, die verlorene Einheit wiederzufinden, im Keim ersticken soll. Ich fürchte, dass unsere heutigen Kirchen, die nur noch Zweiheit und Zweifel lehren, in Verzweiflung enden werden.

Franz Richter Hannover

Was wir da mit Bischof Huber als Seelenhirten präsentiert bekamen, gehört ja wohl eher in das Ressort "Lebloses" statt ins "Leben". Es ist ja nicht schlimm, wenn man Zweifel hat, aber die muss man doch nicht noch zu einem Selbstwert erklären. Wenn Huber meint: "Wer glaubt, muss zweifeln", dann ist er im Christentum noch nicht angekommen, weil sich für solche Ansichten keine Stütze finden lässt. Jakobus sagt stattdessen: "Nur bitte er im Glauben, ohne irgendeinen Zweifel zu heben - denn wer da zweifelt, der gleicht einer vom Wind getriebenen und hin und her geworfenen Meereswoge" (Jakobus 1,6).

Vielleicht kann man bei der ZEIT das nächste Mal eine etwas weniger schwankende Gestalt einladen.