Ein Grenzfall ist dieser angekettete Sklave aus Holz - grob grotesk das Gesicht, klassisch der Torso, eine Maschine der Unterleib. Ein unbelebter Automat, der doch schreiend zu wackeln beginnt, wenn ein Besucher sich nähert. Eine höchst kuriose Kuriosität, aus jener fantastischen Sphäre, in der Natur und Kunst ihren Wettbewerb auf die Spitze treiben. Gefertigt wurde der Sklave wahrscheinlich von Manfredo Settala, der zugleich ein herausragender Sammler des 17. Jahrhunderts war, dessen Wunderkammer Europa zum Staunen einlud. Das Buch von Patrick Mauriès über die Geschichte und Vielfalt der Kuriositätenkabinette trägt zusammen, was insgesamt ein Abbild der Welt ergibt, Elfenbeinschnitzereien wie Missgeburten, Überirdisches, Launen der Natur, Kunsthandwerkliches. Den ganzen absonderlichen Reichtum, der in der vormodernen Schöpferkonkurrenz von Gott, Natur und Mensch auf die Welt kam. Ein Prachtband also. Zugleich eine Verbeugung vor dem Buch der Welt.

Patrick Mauriès: Das Kuriositätenkabinett

DuMont Verlag, Köln 2003 - 256 S., 72,- e