Neben ihrer weltpolitischen Bedeutsamkeit ist die Causa Irak auch ein unerschöpflicher Quell diplomatischer Dummheiten, und in dieser Eigenschaft hat sie sich jetzt ein weiteres Mal als ergiebig erwiesen. In den Vereinigten Staaten sinnt man darüber nach, wie Frankreich für seine gaullistische Widerborstigkeit zu bestrafen sei - "bestrafen" ist tatsächlich das Wort, das dabei halboffiziell verwendet wird. Ein bizarrer Einbruch von Gouvernantensprache in die Welt souveräner Staaten und erwachsener Menschen.

Die Albernheit passt zur internationalen Verwilderung der Manieren, die für die Irak-Krise überhaupt charakteristisch ist. Der Bundeskanzler hat die Position seines Landes bekanntlich auf einem Marktplatz vor wahlkämpfendem Parteivolk festgelegt. Die britischen, spanischen und neu-europäischen Amerikafreunde haben es geschmackvoll gefunden, ihre transatlantische Solidaritätsadresse auf der Kommentarseite einer Tageszeitung abzugeben. Und der französische Präsident hat Rumsfeldschen Feinsinn mit Breschnewscher Liberalität vereint, als er erklärte, die "schlecht erzogenen" Mitteleuropäer hätten zum Irak besser den Mund gehalten.

Die Enthemmung ist lächerlich, aber nicht wirklich komisch. Zwischen den Völkern des Westens herrscht nicht die beste Stimmung, wie Meinungsumfragen in Europa und Champagnerboykotte in den Vereinigten Staaten zeigen. In der Diplomatie lässt man sich jetzt auch gern gehen. So hatten wir uns die Demokratisierung von Außenpolitik nicht vorgestellt.