Die Menschheit fleht darum, sich in Weltranglisten organisieren zu dürfen. Wie weit oben stehen wir auf der Liste der wichtigsten, peinlichsten, überflüssigsten Persönlichkeiten? Auf wie viele Nennungen kommt mein Name, wenn ich ihn im Internet suche? Ein Ranking ist so etwas wie eine Standby-Liste für den Eintritt in die Ewigkeit: Wer nur im Mittelfeld oder, gottbewahre!, überhaupt nicht auftaucht, hat nicht gelebt und wird nicht bleiben. Selbst die Köpfe des alten irakischen Regimes verfolgen derzeit bang, wie sie im Ranking ihrer Feinde abschneiden.

Um die Jagd nach Saddams Getreuen zu verfeinern, spielerischer und menschlicher zu machen, gaben die Amerikaner ihren Soldaten ein Kartenspiel mit 55 Karten: Saddam ist Pik-Ass, seine Söhne sind Kreuz- und Herz-Ass, der vermutlich tote Chemie-Ali hat es noch zum Pik-König gebracht, der Kommandeur der Republikanischen Garden ist die Herz-Dame, der Stabschef der Republikanischen Garden gibt einen strammen Kreuz-Buben. Ja, und dann folgt schon das graue Feld der niederen und kopflosen Karten, der Präsidentenberater und Gouverneure und Baath-Provinzchefs, der Stellvertreter und Vizes und Kommandoratsmitglieder. Ihnen gilt unser ganzes Mitleid: Wie bitter muss es sein, wenn man sich ein Leben lang nach oben geheuchelt und gemeuchelt und es am Ende bloß zur Karo-Zwei gebracht hat?

Eine Karte fehlt im Spiel der Bösewichter, der Informationsminister Mohammed Al Sahaf. Es ist richtig, dass er unter den Tätern und Terroristen nicht auftaucht. Denn Sahaf ist in diesem Spiel der Joker. Seine Kunst war nicht das Faktische, sondern das Potenzielle, die Imagination. Was soll das sein, was da auf Bagdad fällt, Bomben? Ach was, das sind Geräuschcontainer! Amerikaner? Wo haben Sie im Irak einen Amerikaner gesehen?! So sprach der furchtlose Sahaf, als Bombenqualm den Himmel verfinsterte und amerikanische Panzer hinter ihm auffuhren. Unter seinem stechenden Blick lichtete sich der Qualm, die Panzer huschten aus dem Bild.

Wo ist Sahaf heute? Wir wissen es nicht. Wo sollte er sein? In Berlin. Dort wird jetzt das Theatertreffen eröffnet, der Höhepunkt der Saison, das festliche Ranking des Nichtmessbaren. Marthaler, Castorf, Thalheimer werden dort gefeiert, die alten Bekannten. Männer ohne Vision, Menschenbildner am Ende ihrer Kunst, erschöpfte Kopisten ihrer selbst. Sahaf verdiente es, dort ausgezeichnet zu werden: als Jahrhundertschauspieler in bester deutscher Tradition, ein Mann an der Quelle aller Schauspielkunst, erster Diener und König des Wahns. Finis