Ohne einen dauerhaften Frieden zwischen Israelis und Palästinensern", so George Bush mit sonorer Stimme und stählernem Blick, "wird der Nahe Osten nie zur Ruhe kommen." Sobald Saddam Hussein besiegt sei, werde Amerika den Versöhnungsprozess vorantreiben – mit aller Kraft, "fair und entschieden".

Die irakischen Truppen werden vernichtend geschlagen, aus Washington eilt der Außenminister sofort in die Krisenregion und zwingt Israelis und Palästinenser an den Konferenztisch. Friedenspläne werden entworfen und beschlossen. Zwischen Kairo, Jerusalem und Amman keimt zum ersten Mal große Hoffnung auf. Wann das war? Vor zwölf Jahren; in Amerika regierte der Vater des jetzigen Präsidenten, sein Außenminister hieß James Baker, beide leiteten den Friedensprozess namens "Madrid" ein, die Vorstufe zu "Oslo".

1991 und 2003, die Zeiten gleichen sich: Der Nahe Osten ist immer noch ein Brandherd, wieder führen die Vereinigten Staaten Krieg gegen Saddam Hussein, verspricht deren Präsident George Bush der Welt: Sobald Saddam Hussein bezwungen sei, werde er sich mit ganzer Kraft dem grausamen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern widmen. "Amerika ist einer Friedenslösung verpflichtet", verheißt diesmal der Sohn George Bush, "und ich persönlich bin es auch."

Der irakische Diktator ist weg, sein Land besetzt, und in dieser Woche macht sich US-Außenminister George Powell auf den Weg, um den arabischen Regierungen und Israel den neuesten Friedensplan zu präsentieren. Er trägt den schlichten Titel Roadmap, ist sieben Seiten lang und enthält einen grob gezeichneten "Fahrplan zum Frieden", verfasst vom "Quartett" Amerika, Russland, den Vereinten Nationen und der Europäischen Union. Das Ziel: 2005, also schon in zwei Jahren, soll ein palästinensischer Staat in Eintracht und Sicherheit mit Israel und den arabischen Nachbarn leben.

Kennt man solche Pläne nicht schon? Ein Palästinenserstaat, kein Palästinenser-Terror, kein israelischer Siedlungsbau – wurden diese Gelübde nicht ungezählte Male geleistet und gebrochen? Warum sollten Israelis wie Palästinenser sich an den "Fahrplan" halten?

Weil diesmal nicht alles, aber vieles anders ist. Saddam Hussein ist Vergangenheit, die übrigen arabischen Despoten setzen auf Vorsicht. Der ebenso verschlagene wie verbohrte PLO-Chef Jassir Arafat verliert allmählich seine Macht, die Palästinenser kriegen eine bessere Regierung. Und Israels Premier Ariel Scharon lässt wenigstens wilde Siedlungen räumen. Ganz neue Töne schlägt er an: "Ich habe entschieden, jede Anstrengung zu unternehmen, um eine Einigung zu finden." Schließlich: Amerikas mächtiger Präsident, ohne den sich im Nahen Osten nichts bewegen wird, fühlt sich einer Lösung mehr denn je verpflichtet.

Fazit: Es herrscht Zugzwang in Nahost. Der siegreiche Feldzug gegen Saddam Hussein hat alle, die in diesem zermürbenden Konflikt mitmischen, in Bewegung versetzt: Palästinenser und Israelis, Araber und Iraner, Europäer – und Amerikaner.